DER SCHNEE VON MORGEN – ÜBER DEN EINSATZ VON KÜNSTLICHER INTELLIGENZ IM PERSONALBEREICH

Künstliche Intelligenz (kurz KI) ist in aller Munde. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Denn fragt man den Sprachassistenten von amazon: „Alexa, bist du eine künstliche Intelligenz?“, antwortet der mit dem Internet verbundene Lautsprecher „Ja, das bin ich.“ Tatsächlich können Alexa, Siri oder „Okay, Google“ Fragen nach der aktuellen Wettervorhersage, dem Datum, dem Gründungsdatum der Stadt Rom und den Namen des 25. Präsidenten der Vereinigten Staaten schneller beantworten, als wir das Ergebnis mit Hilfe einer Suchmaschine herausgefunden hätten. Ist das wirklich intelligent? Zwar kann Google auf die Frage „Wer ist Angela Merkel?“ sofort antworten, dass Angela Merkel seit dem 22. November 2005 amtierende Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland ist. Formuliert man die Frage hingegen um und möchte wissen: „Wann wurde Angela Merkel zur Bundeskanzlerin gewählt?“ wird zur Antwort der Wikipedia-Eintrag vorgelesen: „Angela Dorothea Merkel, ‚Sternchen‘ (sic!) 17. Juli 1954 in Hamburg … “. Die KI kann den Transfer der vorhandenen Information in einen anderen Kontext oft nicht leisten.


WIE WIRD KÜNSTLICHE INTELLIGENZ DEFINIERT?

Unter KI versteht man eine Technik, mit der ein Computer Aufgaben erledigen kann. Dabei wird sich am menschlichen Handeln orientiert: Der Kontext wird erkannt und verstanden, darauf folgt eine zielgerichtete und schlüssige Interaktion und auf Grundlage der bekannten und neu hinzugewonnenen Informationen findet ein Lernen statt. Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man gezwungen ist, ununterbrochen dazuzulernen.

Das erkannte bereits der irische Schriftsteller George Bernhard Shaw. Doch können wir überhaupt von künstlicher Intelligenz reden oder sollten wir es nicht eher maschinelles Lernen nennen? Von Intelligenz sprechen wir, wenn
selbstständig gedacht wird und wenn ein eigenes Bewusstsein existiert. Dieser Schritt ist bei den aktuellen Computern noch nicht erreicht. Bei dem maschinellen Lernen analysieren Computer – um es salopp zu sagen – Erfahrungsdaten und leiten daraus Wahrscheinlichkeiten ab. Aufgebaut ist dies auf zwei Säulen: Grundlage sind Daten. Daten aus dem Internet, aus Datenbanken, Trainingsdaten, mit denen das System gefüllt wird. Die zweite Säule sind die Algorithmen. Sie sind quasi die „Wegweiser“, die dem Rechner erklären, wie die Daten zu verstehen sind. Aus den Referenzdaten können Muster erkannt werden und Handlungen abgeleitet werden. Ähnlich wie bei Kindern, die auch nicht lernen, in dem ihre Eltern ihnen die Definitionen der Dinge um sie herum vortragen. Kinder machen vielmehr Erfahrung und ziehen ihre Schlüsse daraus. Sie erkennen, dass die bunten „Blechdosen“ auf vier Rädern Autos genannt werden und sammeln so viele „Daten“ beim Spaziergang auf dem Bürgersteig, dass sie schon im Kindergartenalter die einzelnen Fahrzeugmarken spielend unterscheiden können. Ähnlich lernt die KI. Je größer die Datenmenge, desto genauer werden die Dinge erkannt und kategorisiert. Auf einigen Gebieten haben Menschen (noch?) einen Vorsprung vor der Maschine. So fällt es uns wesentlich leichter, bei Gesichtern zwischen Mann und Frau zu unterscheiden. Der KI liegt hier gelegentlich daneben. So wird eine Frau, auch wenn sie auf Highheels und Kleid deutlich als solche auf dem Bild zu erkennen ist, als Mann kategorisiert, wenn sie eine Bierdose in der Hand hält. Bei den Referenzdaten lagen die Getränkedosen wohl ausschließlich in männlichen Händen. Das Microsoft Programm Captionbot verkündet nach der Analyse des Bildes eines Wischmopps: „Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich denke, das ist die Großaufnahme eines Kuchens.“ Auch wenn aktuell noch nicht alles reibungslos abläuft, die große Stärke der KI ist, dass sie ausdauernd und ohne Ermüdung arbeitet. Die Maschinen sind bei der Ausführung der Algorithmen keineswegs limitiert. Folglich kann die KI pausenlos mit Daten gefüttert werden und die Analysen und Kategorisierungen werden ständig genauer. Watson, das bekannt KI-Projekt von IBM, ist eine Kombination von unterschiedlichen Algorithmen und kann somit in unterschiedlichen Bereichen zur Unterstützung herangezogen werden.

 

WELCHEN EINFLUSS WIRD DIE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ AUF DEN BEREICH PERSONAL UND WEITERBILDUNG NEHMEN?

Die Frage in Futur I zu stellen, ist im Grunde nicht korrekt. Denn längst schon wird KI in der Personalarbeit eingesetzt. Insbesondere in einem Handlungsfeld: Im Bewerbungsverfahren greifen große Firmen aber auch Start-ups auf die Unterstützung der intelligenten Maschinen zurück, um den passenden neuen Mitarbeiter zu finden. Nicht nur das Bewerbungsschreiben und der Lebenslauf werden heute üblicherweise digital versandt oder direkt in das Bewerbungstool des Unternehmens hochgeladen. Hier werden auch die relevanten Daten in einem Frage-Antwort-Dialog direkt erfasst. Ausbildung, Berufserfahrung, Kenntnisse und Fähigkeiten, aber auch Freizeitaktivitäten lassen sich so einfach digital auswerten und mit den Mitbewerbern vergleichbar darstellen. In dem aktuellen Umfeld – Stichwort Fachkräftemangel – ist es für Unternehmen zunehmend schwierig, für offenen Stellen geeignete Bewerber überhaupt zu finden. Da KI in der Lage ist, in kurzer Zeit unzählige Informationen zu sammeln und auszuwerten, kann sie eingesetzt werden, um im Netz gezielt nach passenden Personen zu suchen. Die Unternehmen definieren im Vorfeld, welche Anforderungen und Voraussetzungen sie erwarten, und das Programm macht sich vornehmlich in den sozialen Netzwerken auf die Suche nach passenden Kandidaten. Durch das Erkennen von Korrelationen und Mustern kann die KI eigenständig Rückschlüsse ziehen, ob die Person geeignet sein könnte. Und das schneller als jeder menschliche Personalvermittler. Der kann dann zum Zuge kommen, wenn das System eine Auswahl möglicher Kandidaten zusammengetragen hat. Oder das System leitet über zu einem Chatbot, einem Programm, das mit uns chattet, also in Dialog tritt. Da diese Programme auf umfangreiche Datenbanken zurückgreifen, wird die Unterhaltung nach Mustererkennungen verarbeitet und immer differenzierter und individueller beantwortet. Oft lässt sich nicht durchschauen, ob man mit einem Menschen oder mit einer Maschine kommuniziert. Die Chatbots können offene Punkte bei den Bewerbern vorab klären und sogar Termine vereinbaren. Erst dann wird der menschliche Personaler in den Prozess eingebunden. Muss er aber nicht. Denn manche Firmen – wie z.B. Unilever – gehen noch weiter. Hier übernimmt die KI das komplette Auswahlverfahren, angeblich mit großem Erfolg. Auf das Hochladen von Bewerbungen und Lebensläufe wird verzichtet, Assessment Center sind auch obsolet. Stattdessen meistern die Kandidaten online neurowissenschaftliche Intelligenz- und Gedächtnisspiele. Erreichen sie hierbei das gewünschte Ergebnis, geht es weiter mit einem Chatbot-Programm, mit dem sie diskutieren. Das Programm analysiert Schlüsselwörter, Betonung und Wortschatz, beurteilt aber auch die Körpersprache, da der Dialog mittels Webcam gefilmt wird. Perfekt, oder?

Erschaffen die Menschen durch die Fortschritte in der künstlichen Intelligenz eine neue digitale Lebensform, die den Menschen ähnlich oder sogar überlegen sein wird?

Alle Gleichstellungsbeauftragten dieser Welt müssten vor Begeisterung in die Hände klatschen. Denn unvoreingenommener als ein Computerprogramm kann kein menschlicher Recruiter sein. Vorurteile und Klischees können so keinen Einfluss nehmen.

 

PERSONALAUSWAHL MIT VIDEOBEWEIS?

Können Sie sich vorstellen, dass Sie so Ihren neuen Kollegen auswählen, mit dem sie vielleicht sogar das Büro teilen, den sie zumindest unter der Woche täglich sehen werden? Mein Vertrauen in die Technik wird bei so einem Szenario auf die Probe gestellt. Meiner Meinung nach gibt es Bereiche, da sollte der Bauch dem Kopf beim Denken helfen. Gerade wenn Maschinen uns jetzt und in Zukunft von immer mehr Arbeiten entlasten werden, benötigen wir Mitarbeiter, die das Team durch ihre Kreativität bereichern. Und die Entscheidung, ob der oder die Neue in das Team passt, möchte ich ungern ganz in die Hände der KI geben. Unterstützung und Entlastung bei Standards nehme ich gerne. Denken, Fühlen und das Wahrnehmen meiner Mitmenschen erledige ich lieber selbst. Nicht nur bei der Personalauswahl, auch bei der Administration und ganz besonders in der Weiterbildung gibt es interessante Einsatzmöglichkeiten durch KI. Wo und wie das geschehen kann, stellen wir Ihnen gerne in der nächsten Ausgabe unseres Newsletters vor.