DAS IST KEIN SONNENUNTERGANG – DIE ERDE DREHT SICH NUR WEITER: KEINE ANGST VOR DEM EINSATZ DER KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ IM PERSONALBEREICH

In unserem vergangenen Newsletter haben wir Sie in den Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) mitgenommen. Das Thema ist derzeit überall präsent, tatsächlich jedoch beschäftigen sich hiermit Experten und Forscher
bereits seit über 60 Jahren. Die aktuellen Rechnerleistungen, umfangreichere Datenquellen und verbesserte Algorithmen haben die Entwicklung wesentlich beschleunigt. Dabei reden wir aktuell »nur« von schwacher KI. Die programmierten Maschinen haben kein eigenes Bewusstsein, treffen keine eigenen Entscheidungen. Sie agieren nach vorgegebenen Regeln und Statuten. Ob wir noch eine starke KI erleben werden? Ob es sie überhaupt jemals geben wird? Gegenwärtig ist sie auf jeden Fall nicht vorhanden. Vielleicht kann sie sich auch nur entwickeln, wenn der Programmierer zulassen würde, dass Regeln nicht starr befolgt werden müssen, wenn Mutationen erlaubt würden. Ob das Realität wird und wenn ja, ob sie Segen oder Fluch sein wird, ist noch nicht abzusehen. Fakt ist, dass die künstliche Intelligenz oder – besser gesagt – maschinelles Lernen in unser Leben und in unseren Berufsalltag längst Einzug gehalten hat. Ob deshalb Jobs wegfallen werden und die Zahl der Erwerbslosen steigen wird oder ob uns durch die Entlastung von Routinearbeiten und Standards mehr Freiräume zur Verfügung stehen, um kreativer zu arbeiten und dadurch eventuell eine Wertschöpfung angestoßen wird, muss sich zeigen.

 

SCHAFFEN WIR DIE KI ODER SCHAFFT DIE KI UNS?

Schätzungen gehen davon aus, dass in den Einsatzbereichen, in denen Roboter bereits heute den humanen Kollegen ersetzen können, ein Drittel der Kosten im Vergleich zu einer Vollzeitkraft eingespart werden. Darüber hinaus stöhnt keine Maschine bei Überstunden und Wochenendarbeiten, körperliche und geistige Erschöpfung sind ihr ebenfalls fremd. Sofern die Programmierung korrekt konfiguriert ist, passieren keine Fehler. Betrügereien sind ausgeschlossen – die Manipulationssicherheit des Systems vorausgesetzt. Momentan ist der Einsatz der KI im Personalbereich noch nicht sehr umfangreich. Mit Ausnahme des Recruiting-Prozesses, wie in unserem Oktober-Newsletter ausgeführt. Dabei gibt es insbesondere bei der Administration Möglichkeiten auf die Unterstützung der Maschinen zurückzugreifen. Die OCBC Bank in Singapur entlastet die Personalabteilung mit dem Chatbot »Buddy«, der Fragen der Angestellten personalisiert beantworten kann. Die Fragen können über das Smartphone eingetippt werden oder man nutzt die Sprachsteuerung. Krankschreibungen lassen sich digital hochladen, Arbeitszeitkonten verwalten und Rückfragen beispielsweise zu Urlaubsansprüchen oder Vertragsdetails können über den Dialog individuell geklärt werden. »HR in your pocket« nennt sich die App. Auch interne Stellenausschreibungen findet man in der Anwendung und hat die Möglichkeit, sich bei Interesse direkt zu bewerben. Die Kontaktdaten aller Ansprechpartner und Kollegen der Bank finden sich so auf Abruf. Die Entlastung der Mitarbeiter in der Administration schafft Freiräume. Wenn diese genutzt werden und die Personaler ihren Befähigungen in der Kommunikation und ihrem Geschick in der Personalentwicklung somit mehr Zeit widmen, dürfte dies ein Gewinn für das ganze Unternehmen sein. Nach der Betrachtung der Einsatzmöglichkeiten der KI in der Rekrutierung und in der Administration, sind die vielleicht größten Veränderungen in der Weiterbildung zu erwarten. Erste Erfahrungen im E-Learning dürften die meisten von uns bereits gemacht haben. Längst hat sich diese Form insbesondere bei der Vermittlung vorgeschriebener Lehrgänge und Schulungen etabliert. Ist es doch die kostengünstigste und am wenigsten aufwendigste Form, über neue Gesetzmäßigkeiten, Vorschriften oder turnusmäßig anstehende Fortbildungen zu informieren. Doch die Möglichkeiten, die sich bieten, gehen weit über das reine Lernen anhand von Folien und Charts am Bildschirm hinaus. In Webinaren können sich die Teilnehmer interaktiv mit dem Referenten oder untereinander austauschen. Spielerisch – oder wie man es jetzt nennt: »Gamification« – wird der Wissensstand überprüft und flexibel kann je nach eigenem Können und zeitlichem Umfang Modul für Modul erarbeitet werden.

 

KREATIVITÄT IST WICHTIGER ALS WISSEN – DAS WISSEN IST BEGRENZT

Einen möglichst großen Wissensvorrat anzulegen und zu horten ist heute nicht mehr oberste Priorität. Wichtiger ist es, flexibel Lösungen für komplexe Gegebenheiten zu finden. Und wie kommt hierbei die künstliche Intelligenz ins Spiel? Der Mechatroniker beispielsweise kann mit Hilfe des Tablet oder der VR-Brille einen Defekt an der Maschine rascher erkennen und beheben. Das System greift auf die Datenquellen des Herstellers zurück und zieht aus vorherigen Fehlermeldungen Rückschlüsse auf das vorliegende Problem. Die Rückmeldung des aufgetretenen Fehlers an den Produzenten fließt in dessen Datenquellen und unterstützt die kontinuierliche Weiterentwicklung der Geräte. Mit besonderer Spannung dürfen wir die Entwicklung in einem Bereich verfolgen, der aus heutiger Sicht vielleicht noch nicht naheliegend
ist. Kann mit Hilfe der KI auch das trainiert werden, was unser menschliches Miteinander ausmacht? Konfliktbewältigung, Verhandlungen oder soziale Kompetenzen?

 

DIE NÄCHSTEN SCHRITTE AUF DEM WEG ZUR KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ

Es mag sich, je nach Sichtweise, faszinierend oder erschreckend anhören, doch es gibt Forschungen, die den Computern Fähigkeiten beibringen, die denen von uns Menschen ähneln. Dazu muss die Maschine »kultiviert« werden. Soziale Normen, Werte und Etikette werden programmiert. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Georgia Tech School of Interactive Computing. Das Programm Schehrazade IF (Interactive Fiction) wir mit Erzählungen gefüttert. Das Programm ist in der Lage, kleine Beschreibungen von Alltagshandlungen, wie den Besuch eines Restaurants oder eines Kinos, selbst zu lesen und erzählerisch wiederzugeben. Es zeigt somit, dass es »verstanden« hat. Das System hat viel zu »lernen«: Warum gehen wir in ein Restaurant, statt uns zu Hause aus dem Kühlschrank zu bedienen? Welchem ungeschriebenen Protokoll folgen wir im Umgang mit unserem Vorgesetzten,
mit Freunden und Familienmitgliedern? Dem Programm muss eingeprägt werden, nach welchen sozialisierten Handlungsmustern Menschen agieren, um nicht wie Psychopathen zu wirken. Gefüttert wird das Programm mit Crowdsourcing. Daten, Ideen und Anregungen werden von der Crowd, also der Masse, digital gesammelt und zur Verfügung gestellt. Kann das Programm auf eine ausreichend große Datenquelle zurückgreifen, wirkt die Darstellung der humanen Fähigkeiten immer humaner und plausibler. Naheliegender Einsatzbereich ist das Videospiel. Durch die feine Verästelung der Handlungsstränge wird das Spielen fantasie- und anspruchsvoller. Was im unterhaltsamen Spiel funktioniert, lässt sich auch in die Weiterbildung übernehmen. Beratungen, Coachings oder auch Verhandlungen in Stresssituationen können trainiert werden. Unter vergleichbaren Bedingungen können modulierte Szenarien wiederholt werden und den Bedürfnissen und Anforderungen des Lernenden individuell angepasst werden. Unterstützt durch den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen können Simulationen wirklichkeitsgetreu dargestellt werden und unter nahezu echten Bedingungen geübt werden. Die Bestrebungen gehen dahin, unterschiedliche Kulturen und gesellschaftliche Ansichten in die Programmierung einfließen zu lassen. Noch sind dies nicht viel mehr als Ideen für eine mögliche Anwendung. Doch wie wir wissen, werden Datenquellen umfangreicher und die Systeme leistungsstärker. Wir dürfen gespannt sein, wie sich unser Arbeitsleben durch die KI verändern und anpassen wird.