ARAGO KUNDENAKADEMIE: RÜCKBLICK AUF UNSEREN FACHVORTRAG »RESILIENZ – WAS WIR VON STEHAUFMÄNNCHEN LERNEN KÖNNEN«

Es müssen nicht immer prominente Personen wie Arnold Schwarzenegger, Bill Clinton, Nelson Mandela oder Stephen Hawking sein. Denn jeder von uns kennt sie, aus seinem persönlichen Umfeld: Menschen, die in schwierigen Situationen immer eine Lösung finden und auch aus tiefen Krisen gestärkt hervorgehen. Menschen, die Herausforderungen meistern, an denen andere verzweifeln.

Was haben diese Menschen besonderes?

Frau Dr. Ricarda Gades-Büttrich – an der Hochschule Fresenius in Hamburg unter anderem verantwortlich für das Fach Gesundheitspsychologie – erläuterte in ihrem durchgehend fesselnden Fachvortrag, wie die eigene Resilienz gestärkt werden kann.

Die Referentin des Abends, Frau Dr. Ricarda Gades-Büttrich mit Daniel Stöckel, Geschäftsführer der arago Consulting.

 


WAS IST RESILIENZ?

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Physik und beschreibt die Fähigkeit eines Materials, nach Druck und Belastungen wieder die ursprüngliche Form anzunehmen. In der Psychologie wird unter Resilienz die Widerstandskraft von Individuen angesichts belastender Ereignisse verstanden. Damit ist nicht ein »immer-fröhlich-sein« gemeint, sondern die Fähigkeit, in Frust, Trauer oder Schrecken nicht gefangen zu bleiben.

Studien haben gezeigt, dass Menschen, die in vergleichbaren Umwelten aufwachsen, auf Basisspezifischer Persönlichkeitseigenschaften und Verhaltensweisen eine unterschiedliche Entwicklung nehmen können (vgl. hierzu z.B. die Kauai-Längsschnittstudie 1955-1999). Dies bedeutet: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, sie kann von jedem erlernt werden. Welche Umstände beeinflussen jedoch unsere Resilienz? Weshalb gibt es sehr resiliente und weniger resiliente Personen? Folgende Schutz- und Resilienzfaktoren konnte die Forschung inzwischen empirisch nachweisen:

POSITIVE EMOTIONEN

Positive Gefühle sind im Durchschnitt häufiger, werden aber im Alltag nicht so häufig bemerkt. Daher folgender Tipp: Etablieren Sie beim Abendessen mit Ihrer Familie bzw. Ihren Freunden folgende Routine: Berichten sie zuerst von einem positiven Erlebnis des Tages, anschließend von einem negativen und abschließend wieder von zwei positiven.

OPTIMISMUS

Auf Kofi Annan geht der Spruch zurück: »Die Welt besteht aus Optimisten und Pessimisten. Letztlich liegen beide falsch, aber der Optimist lebt glücklicher.« Dabei schützt Optimisten weniger die rosarote Brille vor psychischer Belastung als vielmehr die höhere Bereitschaft (gegenüber Pessimisten), Probleme aktiv anzugehen und auch zu bewältigen.

SELBSTWIRKSAMKEITSERWARTUNG

Sie steht für die subjektive Erwartung an sich selbst, Probleme und Krisen aus eigener Kraft zu bewältigen (im Sinne von »Ich will, ich kann, ich werde!«). Wie auch die optimistische Grundeinstellung sorgt sie dafür, dass Probleme aktiv angegangen werden.

SELBSTWERTGEFÜHL

Ein hohes, gesundes Selbstwertgefühl sorgt dafür, dass negative Ereignisse als weniger bedrohlich eingeschätzt werden. Zudem sorgt das damit verbundene höhere Kontrollgefühl für zusätzliche Sicherheit.

SOZIALE UNTERSTÜTZUNG

Nicht hoch genug kann der Faktor soziale Unterstützung auf die Resilienz eingeschätzt werden. Sie stärkt in erheblichem Maße unser psychisches Wohlbefinden und auch unsere physische Gesundheit. Anhand dieser 5 Faktoren ergeben sich konkrete Handlungsmöglichkeiten zur Stärkung unserer Resilienzfähigkeit. Die American Psychological Association nennt folgende 10 Punkte auf ihrer »Road to resilience«:


1. Bemühen Sie sich um soziale Bindungen

2. Betrachten Sie Krisen als überwindbare Probleme

3. Streben Sie danach, Ihre Ziele zu erreichen

4. Akzeptieren Sie, dass Veränderungen ein Teil des Lebens sind

5. Entschließen Sie sich zum Handeln

6. Suchen Sie nach Möglichkeiten, um sich »selbst zu finden«

7. Fördern Sie ein positives Selbstbild

8. Betrachten Sie die Situation nüchtern

9. Behalten Sie eine optimistische Erwartungshaltung bei

10. Sorgen Sie für sich selbst

Frau Dr. Ricarda Gades-Büttrich betonte, dass zur Stärkung der eigenen Resilienz auch bereits die Bewusstmachung und vor allen Dingen die nachhaltige Umsetzung von einigen wenigen der oben aufgeführten Punkte genügt. Nach der Beantwortung zahlreicher Fragen seitens der Teilnehmer schloss Frau Dr. Gades-Büttrich ihren Vortrag mit einem Zitat einer weiteren, zu seinen Lebzeiten vermutlich sehr resilienten Person, Antoine de Saint Exupèry:

»Bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles gelingen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen und Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir reifen und wachsen.«


Hinweis: Als zusätzlichen Service für alle Personen, die an dem Abend leider nicht teilnehmen konnten, bieten wir in Kürze eine filmische Zusammenfassung des Fachvortrags an. Näheres dazu erfahren Sie in unserem kommenden Newsletter.