AI-COACHING: ENTWICKLUNG VON COACH-BOTS FÜR DIE AUS- UND WEITERBILDUNG

Auf der digitalen Bildungsmesse »Learntec«, die am 30. Januar 2019 in Karlsruhe stattfindet, werden wie jedes Jahr die neuesten Entwicklungen im Bereich E-Learning vorgestellt. Mit dabei sein wird diesmal auch das Start-up »AI Coaching«, das sich auf die Konzeption und Herstellung von Coach-Bots spezialisiert hat. Coach-Bots sind individuell auf die Bedürfnisse des Lernenden zugeschnitten, unterstützen ihn wie ein persönlicher Assistent und sind vor allem dazu geeignet, seine sozialen Fähigkeiten zu trainieren und zu verbessern. Der Gründer von »AI Coaching«, Torsten Hardieß, ist Psychologe und berät schon seit vielen Jahren Unternehmen in den Bereichen Aus- und Weiterbildung. Wir haben uns mit ihm über die Bedeutung von Conversational Interfaces im Allgemeinen und die von ihm entwickelten Coach-Bots im Besonderen unterhalten.

arago Consulting (aC): Herr Hardieß, wie schätzen Sie die Bedeutung von Chatbots für Unternehmen ein und wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden Jahren?

Torsten Hardieß (TH): Conversational Interfaces bieten durch die neuartigen Interaktionsmöglichkeiten sowohl in der Kundenkommunikation als auch im E-Learning-Bereich völlig neue Nutzererfahrungen.

Algorithmen können Gefühle bei anderen Menschen bereits heute besser identifizieren, als Menschen untereinander dazu in der Lage sind. Schritt für Schritt werden auch andere menschliche Intelligenzen, wie zum Beispiel das Verstehen von Sarkasmus oder Metaphern, in Algorithmen überführt. Das mag beängstigend klingen, lässt sich aber nicht mehr aufhalten. Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Computer nicht mehr nur stupide Arbeiten verrichten, sondern irgendwann auch komplexe Tätigkeiten wie Coaching besser als der Mensch selbst durchführen werden.

aC: Sie sind gerade dabei, das Start-up »Al Coaching « zu gründen, und haben sich auf die Entwicklung von Coach-Bots spezialisiert. Was ist das
Besondere Ihrer Bots?

TH: Wir bauen ausschließlich Custom-Made-Bots für den E-Learning-Bereich. Bots spielen dabei ihre Vorteile vor allem im Bereich der sozialen Fähigkeiten aus. Da die Bots mit dem Menschen deutlich besser interagieren können als klassische E-Learning-Programme, lassen sich damit soziale Fähigkeiten von Fach- und Führungskräften sehr effektiv trainieren.

Jedem Bot wird eine eigene Geschichte zugewiesen. Sie ist der rote Faden, die sich durch die Lerninhalte zieht und in der Interaktion mit dem Nutzer »erzählt« wird. Die Story wird in Kapitel unterteilt und in Form von »Lernnuggets«, kleinen Lerneinheiten, dargeboten. Zudem nutzen wir künstliche Intelligenz, um individuelle Inhalte vermitteln zu können.

aC: Was hat Sie dazu bewogen, gerade zum jetzigen Zeitpunkt eine neue Firma zu gründen? Gab es einen besonderen Anlass?

TH: Auf der Suche nach einer E-Learning-Lösung für soziale Kompetenzen erscheinen mir Bots als derzeit technisch und didaktisch sinnvollste Lösung. Ein erster Prototyp war so erfolgreich, dass mehrere Trainingsunternehmen auf mich zugekommen sind und mich gebeten haben, Bots für sie zu bauen. Um günstiger und schneller Bots anbieten zu können, haben wir eine eigene Software speziell für die Erstellung von E-Learning-Bots entwickelt und die Firma gegründet.

aC: Auf der digitalen Bildungsmesse »Learntec« werden Sie Anfang des kommenden Jahres Ihre Produkte erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Gibt es ein oder zwei Coach-Bots, die Sie an dieser Stelle schon benennen und etwas genauer beschreiben könnten?

TH: Mein Lieblingsbot ist ein Abenteurer-Bot, der Führungskräfte in einem IT-Unternehmen coacht. Der Chef des Unternehmens, der uns um unsere Unterstützung gebeten hat, war ein großer Fan von Steve Jobs, der einmal den Spruch geprägt hat: »It‘s better to be a pirate than to join the navy«. Nachdem das Unternehmen stark gewachsen war und rigide Prozesse das komplette Handeln und Denken mehr und mehr bestimmt haben, wollte er frischen und wilden Wind ins Führungsteam bringen. Unsere Analyse ergab, dass ein Piraten-Bot auf eine hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern stieß. So entstand der »Führen wie ein Pirat!«-Bot.

Unsere Bots können nun anders als anonyme E-Learning-Systeme mit den Lernenden in Kontakt treten, z. B. wenn jemand eine Zeit lang nicht mit dem System interagiert hat. Ein klassisches System versendet vielleicht eine E-Mail, in der so etwas steht wie: »Sie waren seit zwei Wochen nicht mehr online. Fahren Sie jetzt fort, um Ihre Punkte für den Kurs zu erhalten!«. Unser Bot schickt dir eine Benachrichtigung auf dein Handy und sagt stattdessen so etwas wie: »Arrrrr Matey, ich habe dich zwei Wochen nicht an Deck gesehen! Zwei deiner Kollegen habe ich schon kielholen lassen …«, und steigt dann in die Geschichte ein. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten Nutzer alleine aus Neugier wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht. Und ohne dass sie es merken, sind sie schon in der nächsten Lerneinheit.

Neben Gamification-Elementen, Storytelling und künstlicher Intelligenz stecken darin natürlich eine Menge Psychologie und viel Arbeit. Auf der kommenden »Learntec« werden wir unsere Plattform daher öffnen und auch anderen die Möglichkeit geben, mit unserer Technik kreativ zu werden und eigene Bots zu entwickeln. Um eine Community von Interessenten zu Conversational Interfaces im E-Learning-Bereich zu entwickeln, entsteht zudem gerade eine LinkedIn-Gruppe: https://www.linkedin.com/groups/8712873/

aC: Vielen Dank Herr Hardieß für den spannenden Einblick.

Torsten Hardieß, Gründer des Start-Ups »AI-Coaching«.