DAS EINZIG BESTÄNDIGE IST DER WANDEL – WILLKOMMEN IN DER VUCA-WELT

Sie haben den Begriff VUCA noch nicht gehört? Dieses Akronym – ursprünglich entstanden in den 1990er Jahren im militärischen Sprachgebrauch – ist im Personal- oder auch Change Management Bereich seit einiger Zeit in aller Munde. Was versteckt sich hinter diesem Kunstwort? Zusammengesetzt wird es aus den Wörtern Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity. Es beschreibt die Herausforderung, mit Neuerungen, die zunehmend disruptiv stattfinden, umgehen zu können. Veränderungen werden vermehrt als Revolution statt als Evolution erfahren.

 

VERÄNDERUNGEN BEGÜNSTIGEN NUR DEN, DER DARAUF VORBEREITET IST

Doch standen Veränderungen und damit verbundene Anpassungen nicht schon immer auf der Tagesordnung? Leben wir tatsächlich erst seit der jüngeren Vergangenheit in der VUCA-Welt? Flexibilität, Schnelligkeit, der Mut, Dinge mitzugestalten und Herausforderungen anzunehmen, ebenso wie die Entscheidung, nicht jeden Trend mitzugehen, sind Attribute, die Führungspersonen seit jeher auszeichnen. Schaut man sich um, scheint es heute jedoch vermehrt so zu sein, dass die moderne Welt zu hohe Ansprüche an den Einzelnen stellt. Nicht jeder kann und will den permanenten Wandel mitgehen. Arbeitsunfähigkeit aufgrund von physischen Erkrankungen nimmt seit Jahren zu.

Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität finden sich im Basketballsport und auch in der Arbeitswelt.

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Wie Sie wissen, sind wir bei arago-Consulting große Basketball-Fans. Vielleicht haben Sie an unserer Kundenveranstaltung Anfang Januar bei dem Spiel »unserer« Skyliners gegen Crailsheim teilgenommen? Und auch wenn diese Saison nicht die erfolgreichste der Skyliners werden wird, die spannungsgeladene Atmosphäre in der Halle ist immer ein Erlebnis. Sie fragen sich, was Basketball mit der VUCA-Welt zu tun hat? Jedes Team hat beim Basketball 24 Sekunden Zeit für einen Angriff. Die Uhr läuft herunter, der Wurf auf den Korb muss innerhalb der relativ kurzen Zeitspanne erfolgen und dann ist der Gegner dran. Das bedeutet, dass sich die Mannschaft alle 24 Sekunden entweder im Angriff- oder im Verteidigungsmodus befindet. Das nenne ich mal schnelle Veränderung! Die Basketballspieler sollten beide Spielsituationen beherrschen und aktiv mitwirken. Wie gehen die Spieler und insbesondere die Trainer mit diesen Anforderungen um? Kann man dies auch auf die VUCA-Herausforderungen, vor denen Personalverantwortliche stehen, übertragen?


Volatilität: Nicht nur Börseninteressierte kennen die Bezeichnung der volatilen, also schwankenden Märkte. Jeder erlebt, dass Nachrichten in Sekundenschnelle weltweit übermittelt werden. Neben der Geschwindigkeit erhöht sich auch die Schlagzahl der eintreffenden Informationen. Technologien entwickeln sich rasant. Eine permanente Anpassung wird vorausgesetzt. Dabei sind neue Techniken manchmal bereits überholt, bevor sie sich übergreifend entwickeln konnten. Die Blu-ray Disc, der Nachfolger der DVD, konnte nie den Absatz der DVD erreichen, weil bereits sechs Jahre nach den ersten Verkäufen Netflix in Deutschland gestartet ist. Seitdem sorgen Streamingdiensten mit ihrer schier grenzenlosen Verfügbarkeit an Filmen und Serien für stetig sinkende Verkaufszahlen sowohl bei DVDs als auch bei den Blu-ray Discs.


Unsicherheit: Die Vorhersagbarkeit von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen Ereignissen nimmt ab. In letzter Zeit haben wir mehr als einmal erlebt, dass prognostizierte Wahlergebnisse sich nicht bewahrheitet haben. Es scheint, als würden Unsicherheiten vermehrt auftreten. Welche Auswirkungen wird der Brexit bringen? Wie werden die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China weitergehen? Inwieweit wird die Digitalisierung unser Leben und unsere Arbeit beeinflussen? Wissen, welches wir uns heute aneignen, ist in einer Dekade bereits obsolet. Benötigen wir das, was wir heute mühsam lernen morgen noch? Lohnen sich Investitionen in Bildung und Maschinen, um zukünftige Trends mitzugehen?

Komplexität: Das weltweite Wissen vermehrt sich nicht linear sondern exponentiell. Internationale Verflechtungen werden vielsichtiger. Wenn-Dann-Überlegungen scheinen zu kurz gegriffen. Produktionsketten finden länderübergreifend statt. Möchte man alle Aspekte berücksichtigen, erfordert dies mehr Zeit und Tiefe.

Ambiguität: Selten lassen sich Situationen in ein schwarz-weiß-System klassifizieren. Mehrdeutigkeit ist die Regel, nicht die Ausnahme. Auch wer sich bemüht, alle Fakten zu sammeln (und dabei Gefahr läuft, »alternativen Fakten« aufzusetzen) erlebt, dass eine Bewertung der Sachlage je nach persönlichem Hintergrund und den eigenen Zielen und Erwartungen unterschiedlich erfolgt.

Volatilität ist etwas, was Sportler aber auch Sportfans zu genüge kennen: Die Lieblingsmannschaft hat »einen Lauf« und Siege werden errungen, mit denen man kaum gerechnet hat. Doch ebenso häufig erlebt man Niederlagen, nichts will gelingen – der sprichwörtliche »Wurm« steckt drin. Wie reagiert man als Trainer, als Personalverantwortlicher? Man kann Visionen aufzeigen, in welchen sich das Team wiederfinden kann. Gemeinsame Ziele zu verfolgen motiviert die Mannschaft, Einsatz zu zeigen und auch mal die »Extrameile« zu gehen. Leider stellt sich der Trainingserfolg erst nach und nach ein, der Muskelkater ist jedoch unmittelbar spürbar – etwas, dass wir Hobbysportler nur zu gut kennen. Um »am Ball« zu bleiben, brauchen wir jemanden, der uns den Antrieb gibt. Mit der Vorstellung eines zwar anspruchsvollen aber realistischen Plans vor Augen, sind wir durchaus bereit, auch mal die Zähne zusammenzubeißen. Nur so erlangen wir die Fähigkeiten, wendig zu reagieren und uns rasch auf die veränderten Anforderungen einzustellen.

Um mit der Unsicherheit umgehen zu können, benötigt man Verständnis für all die Unwägbarkeiten, die sich auf dem Spielfeld/ Marktumfeld befinden. Wie verhält sich das gegnerische Team/ das Marktumfeld, der Mitbewerber? Auch wenn man nicht den Anspruch erheben kann, alle Facetten einer Situation zu kennen, Wissen hilft! Auf je mehr Wissen ich zurückgreifen kann, umso leichter fällt es mir, mich auf neue Gegebenheiten einzustellen. Praktische Erfahrungen und theoretische Kenntnisse helfen bei der Einschätzung der Lage. Entscheidend ist dabei selbstverständlich zu hinterfragen, wie ich mir die Fähigkeiten aneigne. So bin ich zwar ein begeisterter Fan vieler Ballsportarten, praktisch liegen meine sportlichen Talente aber ganz sicher nicht in diesem Feld. Natürlich könnte ich mich nun in die Halle stellen und stundenlang mit meiner miserablen Wurftechnik versuchen, den Korb zu treffen. Als Ergebnis hätte ich wahrscheinlich nach einer gewissen Zeit meine Würfe perfektioniert. Aufgabe des Trainers/ der
Führungskraft muss es also auch sein, die Fertigkeiten der Teammitglieder zu erkennen und individuell zu fördern. Und hier muss die Frage lauten: »Wer macht es?« und nicht »Wie machen wir es?« Es ist illusorisch zu glauben, dass jedes Teammitglied Experte auf jeder Position des Spielfelds sein kann. 

Komplexität erfordert eine klare Kommunikation. Geheimniskrämereien untergraben das Mannschaftsgefüge. Informationen sollten offengelegt werden, damit jeder weiß, welche Rahmenbedingungen vorliegen. Stringente Anweisungen machen deutlich, wohin die Reise gehen soll. Unabdingbar ist es jedoch, auch Raum für einen konstruktiven Austausch im Team bereitzustellen. Der Trainer gibt die klaren Vorgaben und animiert, die Aufgabe im Mannschaftsgefüge zu bewältigen. Debatten werden zugelassen, Streit nicht. Oft wünschen wir uns einfache Antworten in dieser komplexen Welt. Meist gibt es die nicht. Handlungsmöglichkeiten und Lösungsvorschläge können dargestellt und abgewägt werden – am Ende muss eine Entscheidung getroffen werden. Sollte sich diese mal als falsch erweisen, trinkt man am besten ein Glas trockenen Rotwein darauf und macht es das nächste Mal besser.

Um Mehrdeutigkeiten, die Ambiguität zu meistern, fördert man die Beweglichkeit der Gruppe. Klar gilt es, Stärken zu stärken. Hat man Spezialisten in der Mannschaft, wäre es fatal kurz vor Ende des Spiels bei einem knappen Rückstand auf einen bewährten Drei-Punkte-Werfer zu verzichten. Aber auch die Anpassungsfähigkeit muss trainiert werden. Zwar sollten wir in der modernen Arbeits- und Sportwelt nicht den Anspruch haben, dass jeder alles kann, jedoch können Anreize gesetzt werden, sich mit neuen Lernfeldern auseinanderzusetzen. Und auch die Spieler auf der Reservebank brauchen Einsatzzeiten. Auf erprobten Pfaden mag man schneller vorankommen, neuen Wegen darf man sich allerdings nicht verschließen. Es gilt abzuwägen, ob es im Einzelfall günstiger ist auch mal
gegen den Strom zu schwimmen oder die Welle zu reiten.

 

EGAL OB SPORT ODER ARBEITSWELT, ALLES BLEIBT ANDERS

Doch ist es nicht das, was das Ganze so spannend macht? Klar genieße ich es auch, wenn alles nach Plan läuft, so wie vorgesehen. Wäre mein (Arbeits-)leben allerdings nur noch Routine, würde ich im Büro vor Langeweile vielleicht auf die Idee kommen auf meinem zweiten Bildschirm über den Streaminganbieter die Sporthöhepunkte des vergangenen Wochenendes anzuschauen – aber verraten Sie das nicht meiner Geschäftsführung!