VOM SMARTPHONE UND DER SELBSTREGULIERUNG

Das Smartphone ist unser stetiger Begleiter, dadurch in unmittelbarer Nähe und stets präsent. Dies ist mittlerweile so ausgeprägt, dass es zu Angststörungen kommen kann, wenn das Smartphone vergessen wurde oder selbst lediglich der Akku leer ist. Diese Angststörung wird Nomophobie (No-Mobile-Phone-Phobia) genannt und betrifft bereits – nach einer Studie von 2012 – etwa zwei Drittel aller Briten. Der dabei entstehende Stress resultiert vor allem aus der Angst, nicht erreichbar zu sein und etwas zu verpassen. Gleichzeitig sind viele Smartphone-Nutzer davon überzeugt, multitaskingfähig zu sein, obwohl sie lediglich die verschiedenen Aufgaben wechseln, anstatt sie gleichzeitig auszuüben. Daher stehen vor allem Lehrende vor der Herausforderung, mobile Endgeräte für das Lernen einzusetzen, ohne dass der Nutzen ins Gegenteil umschlägt und zu einer Ablenkung vom Lernen führt. Während – wie von meiner Kollegin Katrin Groß beschrieben – vor allem bei Kindern die kritischen Stimmen bezüglich des Einsatzes digitaler Medien in der Bildung vielfältig und laut sind, wird dieses Problem in der Erwachsenenbildung weniger kritisch beäugt.

Unbestritten ist, dass mobile Endgeräte durch zahlreiche Möglichkeiten Lernen begünstigen und fördern können – sei es durch räumlich und zeitlich unabhängige Zusammenarbeit, Unterstützung, Verbundenheit und durch den Zugang zu Online- sowie Offline-Inhalten. Voraussetzung ist hierbei jedoch eine adäquate Umsetzung dieser Möglichkeiten innerhalb der Lernumgebung. Sobald das Smartphone während dem Lernprozess für Aktivitäten eingesetzt wird, die nicht sinnvoll für diesen sind, kann sich diese Nutzung negativ auf eben jene Lernprozess auswirken. Die negativen Effekte laufen dabei unterbewusst ab und werden von den Lernenden gar nicht oder deutlich vermindert wahrgenommen. Daher können Lehrende diese Effekte nur bedingt vermeiden. Vielmehr liegt es am Nutzer, Selbstregulierungsstrategien zu entwickeln, die dazu beitragen, das Smartphone sinnverfolgend zu nutzen. Ironischerweise bietet das Smartphone selbst Unterstützungen, um die eigene Selbstregulierung zu fördern. Schalten Sie Ihr Smartphone in den Flugmodus. Dadurch werden alle Verbindungen gekappt und sie werden weder von Anrufen, noch von einkommenden Nachrichten abgelenkt. Ist die Internetverbindung notwendig, hilft der »Nicht-Stören«-Modus, der Anrufe, Alarme und Medien stummschaltet. Notfalls können Ausnahmen festgelegt werden. In den Einstellungen Ihres Smartphones können Sie zusätzlich die Benachrichtigungserlaubnis jeder einzelnen App verwalten. So können beispielsweise die Benachrichtigungen von Shopping-Apps blockiert, die Ihrer Messenger-Dienste jedoch erlaubt werden.

Dem kanadischen Psychologen Albert Bandura zufolge kann Selbstregulation jedoch nicht durch bloße Willenskraft erfolgen, sondern durch die Subprozesse Selbstbeobachtung, Selbstbeurteilung und Selbstreaktion. Diesen Selbstregulationsprozess können Smartphone-Apps abbilden, indem das individuelle Nutzerverhalten visualisiert wird. Die App »Menthal« zeichnet auf, wann, wofür und wie lange das Smartphone genutzt wurde. So kann das eigene Verhalten ausgewertet und optimiert werden. Eine spielerische Lösung mitsamt Belohnungssystem – eine Aufzeichnung des Nutzerverhaltens erfolgt jedoch nicht – kann die App »Forest« bieten, die virtuelle Bäume wachsen lässt, während das Smartphone über einen festgelegten Zeitraum nicht aktiviert wird. Greift man vor Ablauf des Zeitraums zum Smartphone, verwelkt der angebaute Baum sofort. Ist man zunehmend erfolgreich, entsteht ein prächtiger Wald unterschiedlichster Bäume.

War der Prozess der Selbstregulation erfolgreich, so ist auch die Beziehung zu den digitalen Medien gesünder – sowohl psychisch als auch physisch. Und dann kann das Smartphone erfolgreich seine zahlreichen Möglichkeiten ausspielen und das Lernen vollends möglich machen.

Ein deutscher Smartphone-Nutzer hat durchschnittlich 90 Apps installiert – 90 potenzielle Störfaktoren.

 


SELBSTBEOBACHTUNG

Der Ist-Stand wird erhoben. Dieser Prozess stellt die Grundvoraussetzung für die Selbstregulation dar.

SELBSTBEURTEILUNG

Der Ist-Stand wird mit dem festgelegten Ziel verglichen. Was wird für das Erreichen des Ziels benötigt und wie wichtig ist einem das Ziel selbst? Nur wenn der Lernende sein Ziel wirklich erreichen möchte, wird ein Fortschritt möglich. Wichtig ist hierbei die Spezifizierung der (Teil-)Ziele, des Zeitraums sowie des Schwierigkeitsgrads.

SELBSTREAKTION

Der Zielfortschritt wird eingeschätzt. Aus Erfolg resultiert eine Belohnung. Nach Bandura führt allein die Vorstellung eines Fortschritts mitsamt Belohnung zu erhöhter Motivation und Selbstwirksamkeit.