ICH MÖCHTE LERNEN, WIE ICH WILL – PERSONALISIERTES LERNEN

Die Menschen lernen mittels ihrer Sinne: hören, riechen, sehen, schmecken, tasten. Die empfangenen Reize werden von unserem Gehirn verarbeitet und an unseren Geist übertragen, wobei der Reiz in eine symbolische Repräsentation – zum Beispiel Zahlen, Musiknoten, Wörter etc. – übersetzt, anschließend sortiert und für den gegebenenfalls zukünftigen Gebrauch – im Unterbewusstsein oder Bewusstsein – gespeichert wird.

Dieses theoretische Konstrukt wurde in den frühen 1990er Jahren von Dr. Christine Johnston und ihrem Team an der Rowan Universität in New Jersey erforscht und als The Brain-Mind Connection (engl., Gehirn-Geist Verbindung) bezeichnet. In den folgenden Jahren entwickelten sie das Lernkonzept »Let Me Learn Process«, welches personalisiertes Lernen ermöglichen soll.

Dem Konzept zufolge interagieren wir in vier verschiedenen Arten und Weisen auf Reize, sogenannten Lernmuster. Zusätzlich findet das Lernen durch drei mentale Prozesse statt, die die internen Operationen jedes Lernmusters darstellen: Kognition, Konstitution, Affektiertheit.

 

DIE LERNMUSTER NACH »LET ME LEARN PROCESS«

Sequentielle Interaktion

Verlangt Ordnung und Konsistenz, klare Vorgaben, die Schritt für Schritt befolgt werden können, sorgfältiges Planen, Zeit für die Bearbeitung von Aufgaben, damit diese ohne Unterbrechung bis zum Ende bearbeitet werden können.

Präzise Interaktion

Verlangt detaillierte Informationen und eine sorgfältige und präzise Verarbeitung, fertigt detaillierte Notizen an, stellt viele Fragen und beantwortet Aufgaben exakt richtig und in einer spezifischen und ausführlichen Art und Weise.

Interaktion der technischen Argumentation

Verlangt Relevanz und praktische Anwendung jeder Lernaufgabe, praktisches Arbeiten und selbstständiges Problemlösen ohne viel Arbeit mit Papier und Stift.

Konfluente Interaktion

Verlangt alternative Lösungsansätze, Auseinandersetzung mit dem Problem, ohne Vorgaben, Bearbeitung nach eigenen und kreativen Wegen mitsamt dem Risiko zu scheitern und von vorne zu beginnen.

 

Die Kognition beschreibt dabei die Verarbeitung von Informationen – das Denken, Wissen, Verstehen und Bewahren von Wissen, Fakten sowie Daten –, die Konstitution die Durchführung einer Lernaufgabe – die Art und Weise der Bearbeitung, die Autonomie und das Tempo – und die Affektiertheit die emotionale Reaktion auf eine Aufgabe.

Personalisiertes Lernen ist möglich, wenn das eigene Lernverhalten
verstanden und transparent gemacht wurde.

Beim Lernen ist jedoch nicht ausschließlich ein Lernmuster aktiv. Jeder Lernende nutzt jedes dieser interaktiven Lernmuster und jeden mentalen Prozess gemeinsam und in unterschiedlichem Maße. Dadurch entsteht eine einzigartige Kombination – der individuelle Lernprozess – und wir reagieren alle unterschiedlich auf denselben Reiz. Beispielsweise konzentriert sich bei einer vorgelesenen Geschichte Person A womöglich auf den genauen Ablauf der Geschichte, Person B versucht, detaillierte Informationen zu erfassen, Person C überträgt die Geschichte auf eigene, reale Lebenssituationen, während Person D in die Geschichte eigene Ideen und Informationen einfließen lässt.

Wer nun fähig ist, sich selbst als Problemlöser zu betrachten und das eigene, individuelle Lernverhalten verstehen, nachvollziehen, überwachen und kontrollieren kann, der ist in der Lage, Probleme beim Lernen eindeutig zu identifizieren, zu lösen und schließlich das eigene Lernen effektiver zu gestalten. Trainer, Coaches, Lehrer etc. können – wenn das individuelle Lernmuster der Lernenden bekannt ist – Lerninhalte personalisiert gestalten und so den Lernertrag erhöhen.

Wie lernen Sie?

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