MOONSHOTS IN EDUCATION – WIE DIE TECHNOLOGIE DAS LERNEN VERÄNDERT (TEIL 2 VON 3)

Das Unterrichtskonzept »Moonshots in Education« von Esther Wojcicki, Lehrerin an der Palo Alto High School in den USA setzt darauf, die Art und Weise zu verändern, wie wir im digitalen Zeitalter über das Lernen nachdenken. In der Juli-Ausgabe unseres Newsletters konnten Sie darüber lesen, wie im heutigen Zeitalter gelehrt wird und wie die sich verändernden Gegebenheiten eine neue Lernstrategie erfordern. In diesem Teil erfahren Sie, welche konkreten Ansätze das Konzept Global Moonshots in Education zur Anpassung des Bildungssystems an das heutige Zeitalter vorsieht.

WIE SOLLTE HEUTE GELERNT WERDEN?

Den Lernrahmen nach Global Moonshots in Education gibt das sogenannte Mastery Learning vor, was bedeutet, dass so lange gelernt wird, bis man es richtig kann. Dies beugt dem sogenannten Bulimie-Lernen vor. Inhalte werden nicht nur für einen Test auswendig gelernt und hinterher wieder vergessen, sondern langfristig als Wissen angeeignet.

Eine weitere Vorgabe des Lernrahmens ist das Real World Learning. Diesem Grundsatz zufolge ist Lernen am effektivsten im Zusammenspiel mit der realen Welt durch z. B. Projekte und Praktika. Es ist nachgewiesen, dass Lernende am besten beim Machen lernen, im Sinne eines learning by doing. Zusehen, zuhören und lesen eignen sich, um in eine Thematik einzuführen, etwas lernen bedeutet, jedoch es selbst machen zu können. Es ist nicht möglich Chirurg zu werden, indem man nur darüber liest – oder würden Sie sich gerne von einem solchen Chirurgen operieren lassen?

80% des Lernens findet außerhalb des Klassenzimmers statt. Die Denkweise darüber, wo das Lernen stattfindet, muss sich also ändern, denn viel mehr als im Unterricht lernen die Menschen in ihrem Lebensumfeld und durch reale Erlebnisse. Deshalb möchte Moonshots in Education Formen der Bildung ins Klassenzimmer holen, bei der die Lernenden im Mittelpunkt stehen. Der Fokus soll auf Peer-to-Peer Bildung gelegt werden, da Menschen insbesondere von anderen Menschen lernen.

Ein weiterer Bestandteil des Konzepts Global Moonshots in Education ist TRICK. Dieses Akronym steht für Trust, Respect, Independence, Collaboration und Kindness (dt.: Vertrauen, Respekt, Unabhängigkeit, Zusammenarbeit, Freundlichkeit). Diese Werte werden im Klassenzimmer als besonders notwendig erachtet und können ausschlaggebend für eine Veränderung in der Bildung sein. Sie fördern ein gutes Unterrichtsklima.

WAS SOLLTE HEUTE GELERNT WERDEN?

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, was Kinder heutzutage machen, wenn man ihnen ein Buch in die Hand gibt? Die meisten Kinder, die frühzeitig mit Technologie konfrontiert wurden, nehmen ein Buch und versuchen, die Seiten zu swipen, da sie nicht wissen, dass man bei einem Buch umblättern muss. Die sozialen Medien sind ein wesentlicher Bestandteil des Lebens geworden. Betrachten wir, was Kinder heutzutage in welchem Alter lernen, so sehen wir, dass immer mehr 2 bis 3-jährige eher ein Computerspiel spielen können, als Fahrrad zu fahren. Im Alter von 2 bis 5 Jahren können Kinder eher mit Smartphone Apps umgehen, als eigenständig ihre Schuhe zu binden.

Die Technologie schreitet immer weiter voran, deshalb muss auch das Lernen sich revolutionieren und anpassen.

Nach dem PISA-Test sollten Schüler des 21. Jahrhunderts Naturwissenschaften, Mathe, Lesen, kollektive Problemlösung und finanzielle Kompetenz erlernen. Laut Global Moonshots in Education sollte jedoch Collaboration, Creativity, Critical Thinking, Communication (dt. Zusammenarbeit, kritisches Denken, Kommunikationskompetenz, Kreativität), genannt The Four C´s, gelehrt werden. Dies sind die Kompetenzen, die als besonders wichtig erachtet werden für das Leben im heutigen Zeitalter.

Kreativität ist eine dieser Kompetenzen. Doch kann Kreativität gelernt werden, indem darüber ein Buch gelesen wird? Dieser Frage gehen wir in unserem September-Newsletter nach.