PRINT INTERAKTIV! UNSICHTBARE CODES ALS ERGÄNZUNG ZU AUS- UND WEITERBILDUNGSMATERIALIEN

Der Lernerfolg durch das Lesen eines Textes in gedruckter Form ist weitaus größer, als durch das Lesen eines Textes am Bildschirm (erfahren Sie dazu mehr in unserem September-Newsletter). Diese Erkenntnis spricht für die Bedeutung von Printmedien im digitalen Zeitalter. Mittlerweile gibt es aber auch einige Optionen, wie Printmedien interaktiv und intermedial gestaltet werden können. Digitale Medien dienen dabei nur der Ergänzung des gedruckten Inhaltes, eröffnen damit aber ein weites Spektrum an Möglichkeiten besonders in der Aus- und Weiterbildung. In Form von Kurzvideos, ergänzenden und weiterführenden Informationen und Grafiken oder Weiterleitungen zu Alternativen der Vertiefung. Diese digitalen Optionen bestehen in Form von Codes, die durch einfaches Scannen mit Smartphone-Kamera und App dem Lerner unterstützende Informationen liefern. Manche Arten dieser Codes sind schon weitläufiger bekannt, wie Barcodes oder Quick-Response-Codes, auch QR-Codes genannt.

Durch Scannen des QR-Codes gelangen Sie zu dem Artikel »Selber denken hilft! Mit Print gegen die digitale Abhängigkeit « von Katrin Groß aus unserem September-Newsletter

Die QR-Codes gibt es bereits seit 1994. Sie wurden damals in der japanischen Autoindustrie für logistische Lösungen eingesetzt. Die Vorteile des zweidimensionalen QR-Codes sind, dass es dafür recht leicht erhältliche Lesegeräte gibt: Smartphones. Des Weiteren kann Information in hoher Datendichte angelegt werden und durch klare Definition wird dabei ein Qualitätsverlust vermieden, denn das Drucken dieser Codes erfolgt im üblichen Fertigungsprozess ohne zusätzlichen Aufwand durch weitere Werkzeuge oder spezielle Maschinen auf jedem druckbaren Material. Heutzutage findet sich das quadratische Kästchen mit Schwarz-Weiß-Muster auf Verpackungen, Plakaten, in Magazinen, bei Ausstellungen oder sogar Briefmarken. Mithilfe eines Smartphones und einer App kann der Leser dem Code zum Beispiel einem Link zu einem Onlineshop folgen. Inzwischen sind QR-Codes auch in Deutschland weit verbreitet. Laut einer von statista.de veröffentlichten Umfrage gaben 2017 rund 840.000 Menschen über 14 Jahre an, QR-Codes genutzt zu haben.

Quick-Response-Codes (QR-Codes) gibt es schon seit über 20 Jahren, doch in Deutschland sind sie erst vor einigen Jahren bekannt geworden.

QR-Codes haben zwar viele Vorteile, dennoch sind sie nur eingeschränkt nutzbar. Auch müssen Sie im Layout platziert werden, nehmen also Platz auf der Seite oder der Verpackung ein und wirken dabei nicht immer sehr schön im Gesamtbild. Deshalb wurden mittlerweile bereits Codes designt, die ohne eine sichtbare Form auskommen, wie zum Beispiel Smart Codes, die durch das Scannen einer Magazin-Seite mithilfe einer Bilderkennungs-Software auf dem Smartphone weiterführende Informationen liefern. Apps mit denen sogenannte Smart Tags erkannt werden, wobei bestimmte Stichworte mit einem Hyperlink hinterlegt sind, funktionieren ebenfalls ohne sichtbaren Code und liefern die Information direkt im Text. Solche unsichtbaren Codes können auch dazu dienen, die Echtheit des Produktes zu überprüfen – so wird unter Berücksichtigung der Fälschungssicherheit mit UV-Lacken und Infrarot gearbeitet. Dabei werden Codes mit unsichtbaren UV-Lacken oder Tinte gedruckt, die nur mit speziellen Lesegeräten oder einem UV-Schwarzlicht sichtbar werden. Durch den hohen Herstellungsaufwand und die Notwendigkeit von speziellen Geräten zur Entschlüsselung ist diese Vorgehensweise jedoch nicht alltagstauglich und daher für Verbraucher unattraktiv.

Mithilfe von Smartphone Kamera und Apps, wie Bilderkennungs-Softwares oder Scanner, werden Smart Codes und Smart Tags gescannt und entschlüsselt.

Funktionen wie QR-Codes, Smart Codes und Smart-Tags eröffnen einen großen Spielraum an Möglichkeiten der interaktiven Nutzung von Druckerzeugnissen, seien es Verpackungen, auf denen ergänzende Informationen zu Inhaltsstoffen, logistischen Daten oder der Herstellung geboten werden, auf die sonst aufgrund der Größe der Verpackung verzichtet werden müsste oder Schulungsmaterialien die durch Multimediale Inhalte wie Videos oder Augmented Reality ergänzt werden. Ihr Nachteil: Diese Codes sind alle darauf ausgelegt, nur in Verbindung mit dem Internet zu funktionieren. Es gibt aber auch Codes, die davon unabhängig Informationen liefern können – die »Sprech-Codes«.

Sprechcodes sind weiterentwickelte QR-Codes, die ohne eine Internetverbindung auskommen und die Informationen direkt vorgelesen. Sie dienen der Barrierefreiheit für sehbehinderte Menschen.

»SprechCodes« wurde von den Gebrüdern Frank in Gera entwickelt, als Ergänzung der in ihrer Druckerei überwiegend hergestellten Faltschachteln für die Pharmaindustrie. Diese Codes sind eine Weiterentwicklung der klassischen QR-Codes und sollen sehbehinderten Menschen, die oft keinen Zugang zu wichtigen Informationen auf Medikament-Beipackzetteln oder auch Hinweise auf Verpackungen haben, zur Unterstützung dienen. Dafür wird der zweidimensionale Code zusätzlich zur Blindenschriftprägung auf der Verpackung positioniert und kann mit einer kostenlosen App und einem Smartphone gescannt werden. Um die Information abzurufen wird kein Internetzugang benötigt, denn die Information ist direkt im Code enthalten und wird automatisch vorgelesen. Es ist keine Audiodatei enthalten, noch wird eine Datenbank benötigt. Neben Informationen wie Name und Menge lassen sich auch weitere Hinweise einbauen. Auch die Einsatzmöglichkeit ist vielfältig, denn die Informationen auf dem Code können in mehreren Sprachen angeboten werden, was auch für einen Einsatz bei amtlichen Dokumenten, im Kulturbereich oder eben der Aus- und Weiterbildung sinnvoll erscheint. Besonders in Zeiten der Inklusion werden stets neue Wege zur Ermöglichung der Barrierefreiheit gesucht und Lehrbücher mit SprechCodes erscheinen vor diesem Hintergrund sehr attraktiv. Sie bieten eine sehr gute Möglichkeit, Personen mit Handicap einen Zugang zu denselben Lerninhalten zu ermöglichen.

Trotz der vielfältigen Möglichkeiten von Codes zur Ermöglichung einer interaktiven Nutzung von Printprodukten, werden diese noch nicht so weitläufig genutzt, wie man es erwarten würde. Dies liegt vermutlich daran, dass die Nutzer noch nicht alle Möglichkeiten kennen und erst auf diese hingewiesen werden müssen, um sie zu nutzen. So erscheint es natürlich zunächst überflüssig Codes einzubauen, wenn diese sowieso nicht genutzt werden. Doch sehr wahrscheinlich wird sich das Nutzverhalten dann ändern, wenn sich auch die Erwartungshaltung an Printprodukte ändert. Ein weiteres Hindernis bei der Etablierung von Codes im Alltag stellen die vielen unterschiedlichen Arten dar. Wenn für jeden Code eine andere Anwendung auf dem Smartphone installiert werden muss, sind sie für Nutzer nicht besonders attraktiv. Keiner wünscht sich eine Vielzahl unterschiedlicher Apps zum selben Anwendungsfeld auf seinem Smartphone. Eine einheitliche Linie muss daher gefunden werden, um den größtmöglichen Erfolg erzielen zu können.

Wir haben in der Aus- und Weiterbildung schon viele digitale Fortschritte miterlebt. Die Entwicklung im technischen Bereich streitet stetig voran. Die Forschung zeigt aber immer wieder, wie wichtig auch der Einsatz von gedruckten Lerninhalten ist und dass auf diese nicht komplett verzichtet werden sollte. Der Einsatz von Codes kann dazu beitragen den Balanceakt zwischen digitaler und analoger Welt zu bewältigen, ohne auf die Vorteile beider verzichten zu müssen.