WIRD DIE DIGITALE BILDUNG SO EINFACH WIE NETFLIX SCHAUEN?

In dem politischen Berlin hat das Thema Weiterbildung einen neuen Stellenwert erhalten. Unterschiedliche Prognosen, die sich manchmal durchaus auch widersprechen, sagen einen deutlichen Wegfall der bisherigen Arbeitsplätze voraus, bedingt durch den digitalen Wandel. Demgegenüber stehen Studien, die eine deutliche Steigerung der Anstellungen vorhersagen, welche durch die Digitalisierung erst geschaffen würden. Sicher ist, dass die hierfür benötigten Kenntnisse und Fähigkeiten auch über eine berufliche Weiterbildung erlangt werden müssen. Dass es vorteilhafter ist, in Bildung zu investieren, anstatt die Kosten zu tragen, die eine vermehrte Arbeitslosigkeit zur Folge hätte, liegt auf der Hand. Eine finanzielle Unterstützung des Staates für eine Weiterbildungs-Infrastruktur sollte sich daher rechnen. Denn andererseits entstünden steigende Sozialausgaben, die eine hohe Erwerbslosigkeit mit sich bringt. Daneben gilt es noch den potenziellen Schaden zu beachten, welcher der Volkswirtschaft durch den Auftragswegfall aufgrund eines Mangels an entsprechenden Fachkräften entstünde.

Vor diesem Hintergrund haben die beiden Partner der großen Koalition Weiterbildungskonzepte erarbeitet. Der Arbeitsstab »Zukunft der Arbeit« hat mit MILLA das Konzept für eine digitale Weiterbildungsplattform vorgestellt, das wie eine Art Bildungs-Netflix angenommen werden soll. Ausgeschrieben steht MILLA für »Modulares Interaktives lebensbegleitendes Lernen für alle«. Jeder soll auf alle Themengebiete Zugriff haben, rund um die Uhr zu jeder Zeit, so wie es passt. Wer ein Modul erfolgreich abschließt soll MILLA-Punkte erhalten, die in Sachprämien umgewandelt werden können. Die Punkte kann sich auch der Teilnehmer einer Präsenzveranstaltung verdienen. Die erworbenen Zusatzqualifikationen sollen Teil des Lebenslaufes werden, Arbeitgeber könnten sich somit ein Bild von den Fähigkeiten des Bewerbers oder Mitarbeiters machen.

MILLA – das Konzept für eine kostenlose digitale Weiterbildungsform, mit einer Brandbreite an diversen Materialien und Medienformaten zu unterschiedlichsten Themenbereichen mit barrierefreiem Zugang.

Spannend dürfte die Umsetzung eines solchen bildungspolitischen Entwurfs sein. Denn kann man bei Spotify zwischen Musik und Hörspiel, bei Netflix zwischen Film und Serie wählen, weiß jeder, der sich ein wenig mit digitalen Lernmethoden beschäftigt hat, dass die Diversität auf diesem Gebiet ungleich größer ist. Hier findet man aufwendig gedrehte Video-Sequenzen genauso wie einfache Power-Point-Folien, die durchgeklickt werden können. Animierte Anwendungen in 3D, die in einer virtuellen Lerngruppen bearbeitet werden sind ebenso auf dem Markt wie Angebote für Selbstlerner. Gamification, Tests und Planspiele, alle eingebettet in individuellen Standards müssten auf der MILLA-Plattform nebeneinander barrierefrei zu nutzen sein.

Die Kosten für die Betreibung der Plattform wird mit einem Betrag zwischen einer und drei Milliarden Euro jährlich kalkuliert. Die Nutzung soll kostenlos sein. Da die deutschen Steuerzahler für die Finanzierung aufkommen sollen, müsste der Zugang zu dem Bildungsangebot in irgendeiner Form reguliert werden. Die Anbieter der Inhalte wollen selbstredend entlohnt werden. Und da die Themengebiet möglichst vielseitig sein sollen, müsste vor der Freigabe eine Art Qualitätskontrolle stattfinden. Auch müsste sichergestellt werden, ob die eingestellten Lerninhalte ethischen Ansprüchen genügen und stets gesetzeskonform sind.     

Wir sind gespannt, wie diese und weitere Vorschläge aufgenommen werden. Sicherlich bietet sich auf der diesjährigen Learntec die Möglichkeit, sich mit anderen Anbietern auf dem Weiterbildungsmarkt auszutauschen. Auf Europas größter Veranstaltung für digitale Bildung, die Ende Januar in Karlsruhe stattfinden wird, werden wir wieder vor Ort sein. Gerne holen wir uns hier Inspirationen wie wir unser Portfolio anhand der vielfältigen Bedürfnisse unserer Kunden weiter ausbauen können. Mehr dazu in unserer nächsten Newsletter-Ausgabe.