KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND WEITERBILDUNG AUF DER LEARNTEC

Bei unserem diesjährigen Besuch auf der Learntec – Europas größter Messe im Bereich digitales Lernen – begaben wir uns auf die Suche nach einer Intelligenz, die vielfach propagiert, in der Weiterbildung aber noch nicht so richtig angekommen zu sein scheint: die künstliche Intelligenz.

»KÜNSTLICHE INTELLIGENZ MEINT DIE DIGITALISIERUNG MENSCHLICHER WISSENSFÄHIGKEITEN «
– Reinhard Karger, Unternehmenssprecher Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz

Im Rahmen der Keynote »Künstliche Intelligenz – wo steht Deutschland, und wo will es hin?« diskutierten Prof. Dr. Peter Henning von der Hochschule Karlsruhe, Christoph Kränzler, Geschäftsführer der lengoo GmbH und Mitglied des Hauptvorstands der Bitkom und Matthias Hornberger, Vorstandsvorsitzender des Cyberforums die Zukunft der künstlichen Intelligenz in Deutschland.

 

 

Studie »Künstliche Intelligenz in Unternehmen«:

Im 4. Quartal 2018 befragte das Beratungsunternehmen PwC 500 Entscheider privatwirtschaftlicher Unternehmen zum Thema KI. Sie stellen eine alarmierende Zurückhaltung fest. PwC geht davon aus, dass die KI im Jahr 2030 über 15 Billionen Dollar zur globalen Wirtschaft beitragen wird. Nur 4% der befragten Unternehmen setzen KI ein, nur 2% sind dabei, sie zu implementieren und nur 17% planen einen Einsatz bzw. testen bereits. Beinahe die Hälfte aller befragten Entscheider halten das Thema für irrelevant. Quelle: https://www.pwc.de/de/digitale-transformation/kuenstliche-intelligenz/kuenstliche-intelligenz-in-unternehmen.html

 

 

IST DEUTSCHLAND IN DER KI BEREITS ABGEHÄNGT?


Matthias Hornberger betont die Gefahr darin, dass die Ethik in Deutschland wichtiger genommen wird als die Entwicklung konkreter KI-Anwendungen. Der persönliche Datenschutz wird überbetont und bremst den Fortschritt in Deutschland.

Christoph Kränzler, der mit seinem Unternehmen lengoo Fachübersetzungen unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz anbietet, steuerte hierzu einen interessanten Gedanken bei: Die Marktführer sind diejenigen, die einen großen Einfluss auf die ethische Ausrichtung nehmen können. Gerade aus diesem Grund sei es für Deutschland wichtig, das Thema künstliche Intelligenz nicht zu verschlafen.

Matthias Hornberger sieht Deutschland im B-to-C-Bereich gegenüber den USA und China bereits abgehängt. Im B-to-B-Bereich gebe es jedoch nach wie vor gute Chancen auf die Marktführerschaft. Grund hierfür ist das überragende Prozesswissen und die hohe Datenqualität, über die deutsche Unternehmen verfügen.

Die Diskutanten waren sich einig: Es bestehe in Deutschland kein Mangel an KI-Wissen, sondern ein Umsetzungsproblem. Der Fokus liegt zu sehr auf inkrementeller Verbesserung bestehender Prozesse mit entsprechenden Schwächen in der Innovationsfähigkeit.

Christoph Kränzler empfiehlt, mit spezialisierten Dienstleistern in das Thema KI zu starten und sich nicht direkt die Kernprozesse eines Unternehmens vorzunehmen, sondern sich über Randprozesse mit der Thematik vertraut zu machen.

 

WELCHE EINSATZMÖGLICHKEITEN BESTEHEN FÜR KI IN DER BILDUNG?

Prof. Dr. Henning wünscht sich, dass ein KI-basiertes System in der Lehre dabei unterstützt, besondere Förderbedarfe bei Studenten erkennen zu können. In China sei dies auf Basis neuronaler Netze bereits weit verbreitet, in Deutschland hätte er mit deren Anwendung aber direkt ein Datenschutzproblem.

Sprachlern-Apps setzen KI bereits heute erfolgreich ein, um das Lernangebot zu individualisieren und vom »One Size Fits All«-Ansatz wegzukommen. Stellt die App fest, dass der Sprachschatz gut ist, jedoch Schwächen in der Grammatik bestehen, werden dem Lerner gezielt Aufgaben im Bereich Grammatik zur Verfügung gestellt.

Das Smartphone wird als das zentrale Lernsystem der Zukunft gesehen. Monolithische Lernsysteme werden ausgedient haben. Das Smartphone bündelt alle Anwendungen, reichert diese um persönliche Daten an und steht dem Lerner als persönlicher Assistent in allen Lebenslagen zur Verfügung.

Auch unser Kunde die WEKA Media GmbH war mit der E-Learning-Plattform ELUCYDATE vertreten. Unser Bild zeigt Martin Guldner, den Key Account-Manager von ELUCYDATE, der Plattform für Standardcontent zu den Themen Management, Persönliche Entwicklung, Kommunikation, Kreativität & und Digitalisierung.

 

Angst vor einer Massenarbeitslosigkeit aufgrund des Einsatzes von KI müsse jedoch laut Prof. Dr. Henning niemand haben. Zum einen liege der Fokus in der KI-Entwicklung darauf, den Menschen zu unterstützen, d.h. Prozesse effizienter zu machen, zum anderen sieht er die natürlichen Grenzen der KI in der Empathiefähigkeit des Menschen. Sie sei ein biomedizinischer Prozess, der nicht nachgebildet werden könne.

 

NOCH SIND ANBIETER MIT KI-PRODUKTEN AUF DER LEARNTEC RAR GESÄT

Torsten Hardiess von AI Coaching im Ring des Start-up-Forums. Er sprach zum Thema »Wie KI, Alexa und Co. Führungskräfte und Vertriebler fit machen«.

Die area9 Lyceum GmbH mit Standorten in Boston, Kopenhagen, Leipzig, London und New York proklamiert jedoch bereits den Einsatz von KI-Technologie auf ihrer Lernplattform Area9 Rhapsode™. Durch adaptives Lernen würde relevantes Vorwissen berücksichtigt und nur diejenigen Inhalte dem Lerner zur Verfügung gestellt, die für das Erreichen des gewünschten Kompetenzlevels notwendig sind. Zudem sei es möglich, unbewusste Inkompetenz aufzudecken (d.h. der Lerner glaubt, Wissen zu besitzen, obwohl dies nicht der Fall ist) und sie zu einer bewussten Kompetenz zu entwickeln. Ein höherer Schulungserfolg und 50% Zeitersparnis sei das Ergebnis der KI-gestützten Technologie.

Soviel KI hat jedoch ihren Preis: Für die Umsetzung eines zweistündigen adaptiven Kurses im Rahmen eines Pilotprojekts sind 25.000 EUR zu veranschlagen, zzgl. den jährlichen Lizenzkosten für die Benutzer. Wir sind gespannt wie sich das Thema Künstliche Intelligenz im Bereich der Aus- und Weiterbildung entwickelt und bleiben gerne für Sie am Ball.

Daumen hoch für eine sehr gelungene Learntec 2020 von einem geschätzten langjährigen Partner der arago Consulting: Michael Witzke, Geschöftsführer von blink.it mit Daniel Stöckel

 

Digitale Bildung liegt im Trend:

411 Aussteller aus 17 Nationen (+24 % gegenüber dem Vorjahr) und mehr als 15.000 Besucher (+34 % gegenüber dem Vorjahr) auf Europas Leitmesse für digitale Bildung verdeutlichen, dass sich digitales Lernen in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Wachstumsmarkt entwickelt hat. In 2021 wird die Messe daher erstmals eine zusätzliche dritte Halle öffnen.

Unterstrichen wird diese Entwicklung von einer Auszeichnung im vergangenen Dezember: Vom Messefachverlag m+a wurde die Learntech als zukunftsfähigste Messe Deutschlands ausgezeichnet.