NEUE SERIE: DER ZWEITE FRÜHLING DES PRÄSENZLERNENS

Wie im Artikel »E-Learning – das Allheilmittel gegen Corona?« aufgeführt, sprechen wir mit unseren Kunden in diesen besonderen Zeiten vielfach über digitale Lösungen im Bereich der Erwachsenenbildung. Gemäß unseres Leitspruchs WISSEN | digital & analog denken wir die Aus- und Weiterbildung jedoch nicht ein-, sondern mehrdimensional. Im eLearning Journal ist ein sehr lesenswerter Artikel von Daniel Stoller-Schai, Gründer der Collaboration Design GmbH, mit dem Titel »Digitales Lernen führt zu einer Renaissance des analogen Präsenzlernens« erschienen, dessen wichtigste Gedanken wir an dieser Stelle nochmals aufgreifen möchten (der Artikel ist abrufbar unter https://www.elearning-journal.com/2020/02/12/stollerschai/).

Oftmals werden wir mit folgender Frage konfrontiert, auf die wir keine befriedigende Antwort geben können: Was ist besser, digital, d.h. online oder analog, d.h. gemeinsam und am selben Ort? Unsere Antwort auf diese Frage lautet immer gleich: Es kommt darauf an.

Silberne Brakteaten (lat. Bractea »dünnes Metallblech«) mit Darstellungen Friedrichs I., 12. Jahrhundert, Frankfurt am Main. Mittelalterliche Brakteaten (Hohlpfennige) sind einseitig aus dünnem Silberblech geprägte Pfennige. Das Münzbild erscheint in einem hohen Relief, während die Rückseite hohl bleibt. Über digital oder analog zu diskutieren, ist in etwa so, wie sich die einseitig geprägten Brakteaten aus dem Mittelalter als Zahlungsmittel zurückzuwünschen. Beide Seiten, analog und digital sind das Gebot der Stunde.

Noch hat es sich nicht durchgesetzt, dass es sich bei der Frage »digital oder analog« um zwei Seiten derselben Medaille handelt. Betrachtet man die Medaille nur einseitig, blendet man 50% der Möglichkeiten aus.

Was ist das Ziel in der Erwachsenenbildung? Die Vermittlung von reinen Fakten und Wissen? Oder die Vermittlung von Handlungskompetenzen, um das erlernte Wissen auch tatsächlich anwenden zu können? Auch an dieser Stelle – wie bei der Frage »analog oder digital« – liegt eine Dualität vor. Wissen ohne die Möglichkeit, das Wissen in einen Zusammenhang setzen zu können, d.h. es konkret anwenden zu können, hat lediglich geringen praktischen Wert. Und auch eine starke Handlungskompetenz ohne das erforderliche faktenbasierte Wissen führt nur im Rahmen glücklicher Umstände zu dem gewünschten Ergebnis.

»DAS DIGITALE BEFREIT DAS ANALOGE AUS SEINEM VERMITTLUNGSKORSETT«.
– Daniel Stoller-Schai

Genau an dieser Stelle setzen die Gedanken von Daniel Stoller-Schai an.

Dank den digitalen Möglichkeiten, faktenbasiertes Wissen zu vermitteln, wird die Präsenz aus ihrem engen Korsett befreit. Die wertvolle Zeit des analogen Lernens muss nicht damit zugebracht werden, Faktenwissen zu büffeln. Dies lässt sich digitalisieren. Die gemeinsame Präsenzzeit kann dadurch für den freien Diskurs zwischen Trainer und Lerner genutzt werden, zur Reflexion, Debatte und die zeitgleiche, sich gegenseitig beeinflussende Auseinandersetzung gemeinsamer Problemstellungen. Hierzu werden für den Bereich der analogen Präsenzschulung jedoch neue Interaktions- und Kollaborationsformen benötigt, die sich stark von klassisch angeordneten Stuhlreihen in Klassenzimmeratmosphäre und PowerPoint-Vorträgen unterscheiden.

Sie erfordern von den Trainern ein Umdenken und die Bereitschaft, dazuzulernen und in einen echten, tiefen Dialog mit ihren Lernern zu treten. Richtig eingesetzt, stehen sie für einen zweiten Frühling: den zweiten Frühling des Präsenzlernens. Um welche Interaktions- und Kollaborationsformen es sich handelt, erfahren Sie in unseren kommenden Newslettern. Nur so viel sei bereits jetzt verraten: Wir starten spielerisch mit einem festen Bestandteil unserer Kindheit: Lego!