DER ZWEITE FRÜHLING DES PRÄSENZLERNENS: LEGO SERIOUS PLAY®

»Das Gegenteil von Spielen ist nicht Arbeiten – das Gegenteil von Spielen ist Depression.« Das sagt der Psychiater und Spielforscher Stuart Brown. Und in der Juli-Ausgabe haben wir es Ihnen versprochen: In unserer neuen Reihe »Der zweite Frühling des Präsenzlernens« geht es heute zurück in unsere Kindheit. Heute spielen wir mit Lego!

Die Hände sind unsere ureigenen »Suchmaschinen «. Arbeiten wir mit den Händen, werden 70 bis 80 Prozent unserer Gehirnzellen angesprochen. Das muss nicht unbedingt die Beschäftigung mit Lego-Bausteinen sein. Doch wenn die Hände in Bewegung sind, können die Gedanken fließen, können wir begreifen (behalten Sie das bitte im Hinterkopf, wenn Ihr Sitznachbar bei der nächsten Teambesprechung in der Nach-Corona-Zeit unablässig auf seinem Kugelschreiber herumdrückt). Doch welchen Nutzen sollen Lego Steine und Figuren haben, neben der Unterstützung der Hand-Gehirn-Verbindung? Lego Serious Play®, kurz LSP, leitet eine Gruppe weg vom Reden und Diskutieren hin zum Bauen. Der Moderator stellt eine Frage in den Raum. Diese könnte lauten »Wo sehen Sie unser Unternehmen in fünf Jahren?« oder »Was ist die größte Herausforderung, vor der Ihr Team aktuell steht?« Das Thema wird nun nicht mit einer Diskussion angegangen. Die Teilnehmer werden aufgefordert, die Antwort mit Hilfe der bunten Steine darzustellen. LPS bietet Pakete mit verschiedenen Bausteinen in unterschiedlichen Größen an.

Üblicherweise finden sich in den meisten (Seminar-) Gruppen wortgewandte und eher introvertierte Mitglieder. Beim LSP baut jeder einzeln. Kommentare und Hinweise untereinander sollten in dieser Phase des Errichtens vorerst nicht stattfinden. Im Anschluss werden die Bauwerke präsentiert. Anhand der gebauten Bilder lassen sich die unterschiedlichen Sichtweisen darstellen. So sind alle Beteiligten einbezogen und kommen zu Wort. Eine Konstruktion kann jeweils anders interpretiert werden. Stellen für den einen die aufeinandergesetzten Steine eine Mauer dar, die es zu überwinden gilt, sieht ein anderer vielleicht eine Brücke, die beim Überqueren der Herausforderung hilft. Oder soll dies gar ein Podest sein, auf der die Lego-Figur mit dem Pokal in der Hand die Gratulationen entgegennimmt? Unsere Sprache ist reichhaltig mit Metaphern gespickt, die sich bei diesem »Spiel« auch ohne große künstlerische Begabung leicht darstellen lassen.

In der gemeinsamen Reflektion des Gesagten und beim Betrachten der Lego-Gebilde können wahrscheinlich mehr Erkenntnisse gewonnen werden als beim Power-Point Monolog, an dessen Ende der vorgefertigte Lösungsweg präsentiert wird. Die Bauwerke können im ersten Schritt Komplexität reduzieren. Kjeld Kirk Kristiansen, der CEO und Haupteigentümer von LEGO A/S beschäftigte sich Ende der 1990er Jahre mit der Strategieentwicklung seines Unternehmens. Er holte sich Unterstützung der Professoren Johan Roos und Bart Victor und gemeinsam entwickelten sie LSP, das sie Anfang 2002 auf den Markt brachten. Diese Methode, die das konstruktive Debattieren mit Unterstützung der kleinen bunten Steine fördert, hat sich mittlerweile etabliert. Spielen ist ehrlich und mit der Kreativität aller Teilnehmer lassen sich Strategieplanungen, die Analyse von Kundenprofilen, Organisations-Entwicklungen und Team-Buildings besser bewerkstelligen als in der Video-Konferenz.