DIE TOP LERNTOOLS 2020

Unser Redaktionsteam hatte sich Anfang September vorgenommen, den vorliegenden Newsletter ohne das allgegenwärtige C-Wort herauszubringen. Ich scheitere an diesem Vorsatz bereits in der Einführung dieses Leitartikels. Die Auswirkungen in unserem Kernbereich, der Erwachsenenbildung, sind schlichtweg zu umfassend. Wie tiefgreifend sie sind, werden die kommenden Monate zeigen. Eines lässt sich aber jetzt bereits sagen: In den Monaten, in denen Präsenz-Veranstaltungen nur eingeschränkt möglich waren, haben die Datenleitungen geglüht – Videokonferenzen sind wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Es gibt eine Umfrage, die wir uns jährlich zu Gemüte führen und die Anfang September erneut veröffentlicht wurde: die Umfrage der britischen Lernexpertin Jane Hart. Sie ist die Gründerin des Centre for Learning & Performance Technologies mit Sitz in London (http://c4lpt.co.uk/). Bereits seit 2007 führt sie eine Umfrage zu den Top Lerntools durch. Die zwei entscheidenden Besonderheiten an ihrer Umfrage: Jeder kann teilnehmen. Es gibt keine Vorauswahl, d.h. es kann jedes beliebige Tool angegeben werden. Die eingegangenen Antworten werden in drei Kategorien unterteilt, Überschneidungen sind zulässig:

Bereich 1:
Top 100 Tools for Personal Learning
Digitale Werkzeuge, die der Einzelne für seine eigene Selbstvervollkommnung, sein Lernen und seine Entwicklung nutzt.

Bereich 2:
Top 100 Tools for Workplace Learning
Digitale Werkzeuge, die eingesetzt werden, um das Lernen am Arbeitsplatz zu gestalten, durchzuführen, zu ermöglichen und/oder zu unterstützen.

Bereich 3:
Top 100 Tools for Education
Digitale Werkzeuge, die von Pädagogen und Studenten an Hochschulen und Universitäten verwendet werden.

An der inzwischen 14. Umfrage nahmen 2.369 Personen aus 45 Ländern teil. Rund 40% der Teilnehmer sind im Bildungsbereich tätig (zum weit überwiegenden Teil in der Hochschul- und Erwachsenenbildung), bei den anderen knapp 60% handelt es sich um Teilnehmer aus Unternehmen, Betrieben und gemeinnützigen Organisationen.

IN DIESER ZEIT DER PANDEMIE UND DER ARBEIT AUS DER FERNE HAT UNS (MICROSOFT)
TEAMS GERETTET! VON VIDEO-CHATS BIS ZUR SPEICHERUNG VON DATEIEN FÜR PROJEKTTEAM-DOKUMENTE IST ES EIN SEHR LEISTUNGSFÄHIGES WERKZEUG

– Susan Manos, Direktorin für Globales Lernen und Entwicklung, USA, 2020

Die Umfrage fand in 2020 zu einem Zeitpunkt statt, der von Home Office und Fernlernen dominiert war. Der Einblick, wie Lernen in dieser Zeit ermöglicht wurde, darf daher als einzigartig gelten.

Ihre wichtigsten Erkenntnisse über alle drei Kategorien hinweg fasst sie wie folgt zusammen:

 

  • YouTube bleibt die Nummer 1, zum bereits 5. Mal in Folge. Die Lösung besticht durch ihre Einfachheit und eignet sich perfekt für Lernvideos.
  • Zoom katapultiert sich auf Platz 2 und nimmt im Bereich Workplace Learning noch vor Microsoft Teams – dessen Fokus sich stärker auf den Bereich gemeinschaftliches Arbeiten richtet – den ersten Platz ein. Jane Hart bezeichnet Zoom daher auch als „Tool des Jahres 2020“. Auch andere Chat- und Video-Meeting-Tools erreichen starke Positionen: WhatsApp auf Platz 10, Google Meet auf Platz 16 (+77 Plätze), Flipgrid auf Platz 38 (+34 Plätze), Whereby auf Platz 45 (+79 Plätze).
  • Kooperationsplattformen schneiden ebenfalls sehr gut ab. Neben Microsoft Teams nimmt dessen großer Konkurrent Slack einen vorderen Platz ein, Trello konnte sich ebenfalls recht weit vorne platzieren und neue Lösungen wie ClickUp sind erstmals in der Liste
    aufgetaucht.
  • Online-Whiteboards für die visuelle Zusammenarbeit sind eine neue Kategorie, die augenscheinlich auf dem Vormarsch ist: Tools wie Mural, Miro und MS Whiteboard sind zur bekannten Google-Lösung Jamboard hinzugekommen und entwickeln den Bereich Mind Mapping weiter.
  • Als wichtigste Lernplattform konnte sich Google Classroom auszeichnen. Die Lösung stieg um 121 Plätze auf Platz 16 aller Lösungen. Auch die Lernplattformen Moodle, aNewSpring und Totara konnten Plätze gut machen.
  • Der spannende Bereich Live-Engagement-Tools konnte sich ebenfalls recht gut platzieren. Die führende Lösung Kahoot verlor zwar Plätze, andere Tools konnten aber deutlich Plätze gut machen: Mentimeter (+15 Plätze), Quizz (+115 Plätze), Socrative (+31 Plätze).
  • Als „Verlierer“ können überraschenderweise die Online-Kursplattformen angesehen werden. Angeführt von LinkedIn Learning sind sie fast alle um einige Plätze zurückgefallen (z.B. Udemy, Coursera, Udacity, FutureLearn etc.).
  • Als wichtigstes Autorentool gilt nach wie vor Articulate Storyline, das allerdings wie viele andere Autorentools Plätze einbüßen musste. Dies deutet darauf hin, dass es in diesem Jahr einen Wechsel von der Inhaltsentwicklung hin zum Live-Training gegeben hat. Schnelligkeit war maßgeblich, eine Umstellung von Präsenzschulung auf reines E-Learning hätte zu lange gedauert.

Unter den Top 200 Tools finden sich 32 neue Lösungen. Die interessantesten neuen Lösungen für Jane Hart sind Google Lens (eine BilderkennungsApp), Otter (ein Tool für Live-Transkriptionen, das beispielsweise für Zoom und andere Webinarlösungen eingesetzt werden kann) und Google Arts & Culture, ein Tool für virtuelle Besuche. Wir werden Ihnen die innovativsten Lösungen in den kommenden Newslettern vorstellen. Denn auch wenn damit gerechnet wird, dass viele Mitarbeiter in den kommenden Monaten wieder ins Büro zurückkehren, werden die Lerntools auch in 2021 ihre wichtige Rolle im Bereich der Erwachsenenbildung beibehalten. Sie interessieren sich im Detail für die Erkenntnisse der diesjährigen Befragung? Weitere Informationen und Erkenntnisse erhalten Sie unter https://www.toptools4learning.com/.

 

Müde von all dem Zuhören bei Videokonferenzen? Otter.ai zeigt mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen Untertitel für Live-Sprecher an und generiert schriftliche Transkriptionen der Reden. Das Unternehmen sitzt, wie sollte es anders sein, in Los Altos, Kalifornien.