PAPIER ODER BILDSCHIRM – WIE WERDEN WIR KÜNFTIG LESEN?

»Wie kann man denken ohne Bücher?«
George Bernard Shaw (1856-1950)

Wäre der große Dramatiker und Literaturnobelpreisträger in der Gegenwart aufgewachsen, würde sein Zitat vermutlich lauten: Wie kann man denken ohne zu lesen? Oder, etwas sperriger: Wie kann man denken ohne gedruckte Bücher und eBooks?
Als Spezialisten für Aus- und Weiterbildungsunterlagen beraten wir unsere Kunden nach dem Grundsatz »Form folgt Funktion«.

Denn nach wie vor ist ungeklärt, ob aus neurowissenschaftlicher Sicht eine Informationsvermittlung auf Papier sinnvoller ist oder die über elektronische Geräte:


STUDIE DES SIEGFRIED VÖGELE INSTITUTS VS STUDIE DER JOHANNES GUTENBERG-UNIVERSITÄT 
MAINZ:

Die neurowissenschaftliche Studie zur Recall-Leistung von Print- und Online-Medien des Siegfried Vögele Instituts aus Königstein  untersuchte 2012 ein bekanntes Phänomen aus den kognitiven Neurowissenschaften: den »Encoding Retrieval Overlap«. Er besagt, dass Hirnaktivitäten, die bei der Speicherung von Informationen auftreten, beim Abruf dieser Informationen wieder austreten. Da papiergestützte  Informationen gegenüber Online-gestützten Informationen mehrere Sinnesorgane ansprechen (Sehen, Tasten, Riechen), wurde davon ausgegangen, dass Informationen, die multisensual gelernt wurden, besser erinnert werden, als z.B. nur visuell gelernte. Die Studie bestätigte diese Vermutung.
(Kostenfreie Anforderung der Studie)

Demgegenüber steht eine – nicht ganz unumstrittene – Studie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz aus dem Jahr 2011, die die Hirnaktivität bei der Verarbeitung von Informationen anhand der Aktivierung des Thetabandes untersuchte. Veränderungen im Thetaband – ein Frequenzbereich der Hirnaktivität zwischen ca. 3,5 und 7,5 Hertz – reflektieren den Aufwand für die Verarbeitung neuer Information, d.h. z.B. das Lesen von unbekannten Texten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass der kognitive Aufwand für das Lesen am Tablet-PC geringer ist, als für das Lesen am E-Ink-Reader oder – ganz klassisch – über Papier. Nach wie vor wird dem Papier jedoch der größte Wohlfühlfaktor und die beste Lesbarkeit bescheinigt (siehe Grafik unten)

Für nähere Informationen: Link zur Studie 
Informationen zur Kritik an der Studie erhalten hier.

Ob gedruckte Lerninhalte durch Bildschirme und Displays ersetzt werden, ist also nach wie vor offen. Eines ist jedoch unstrittig: Unser Leseverhalten wird sich durch die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche weiter verändern.

Beispielhaft seien hier zwei Ansätze genannt, die unsere Art zu lesen verändern können:

[1] SPRITZ TECHNOLOGY, INC.

Der Anbieter spritzinc.com möchte die Effizienz des Lesens erhöhen und setzt hierzu auf einen Ansatz des Speed Readings: ein Wort möglichst als Ganzes zu erfassen.

Die Worte werden nacheinander eingeblendet. Durch die Fixierung eines Buchstabens innerhalb eines Wortes mit roter Schrift wird die Augenbewegung »fixiert«, Sakkaden, d.h. die schnelle und spontane Augenbewegung, die beim Lesen Zeit kostet, wird unterdrückt. Die Lesegeschwindigkeit lässt sich frei wählen, von den üblichen 250 bis 300 Wörtern je Minute bis zu 1.000 Wörter.

Das System können Sie (allerdings eingeschränkt in der Auswahl der Lesegeschwindigkeit) mit einem Upload eigener Texte (wir empfehlen hierfür natürlich die Druckversion unseres Newsletters) über folgende Seite testen: http://www.readsy.co/spritzy/.

[2] INSTITUT FÜR VISUALISIERUNG UND INTERAKTIVE SYSTEME (VIS), UNIVERSITÄT STUTTGART

Auch das Institut für Visualisierung und Interaktive Systeme (VIS) der Universität Stuttgart beschäftigt sich mit der Zukunft der Informationsaufnahme und -verarbeitung. Ausgehend von Studien, die belegen, dass das Allgemeinwissen mit der Menge des Gelesenen wächst, ist ein möglicher Ansatz, die Kameras von Tablets zu nutzen, um das Leseverhalten zu analysieren. Ähnlich, wie Schrittzähler dazu führen, dass der Grad der Bewegung zunimmt, ließe sich durch eine Erfassung der Anzahl der Wörter und der Art der gelesenen Texte eine Art Wettstreit unter Freunden und Kollegen entfachen. Intelligente Geräte könnten Texte zudem individuell auf einen Leser zuschneiden, indem sie dem Leser bereits bekannte Informationen ausblenden, oder bei Unterbrechung des Leseflusses Definitionen und Seitenverweise anbieten. Ein Algorithmus könnte anhand der Augenbewegung bestimmen, zu welcher Tageszeit der Leser besonders aufmerksam ist und daraus einen individuellen Lernplan ableiten.

Trotz aller technischer Fortschritte, sehen sich viele Seminaranbieter nach wie vor mit dem Wunsch Ihrer Schulungsteilnehmer nach einer »handfesten«, gedruckten Unterlage konfrontiert (siehe hierzu auch die Auswertung der arago Consulting Kundenbefragung 2017) , aber auch mit der Problematik, dass ihre Unterlagen von Veranstaltung zu Veranstaltung  überarbeitet und angepasst werden müssen. Die Überführung der klassischen, oftmals PowerPoint-basierten, Präsentationsunterlagen des Referenten in eine, nach didaktischen Gesichtspunkten überarbeitete, elektronische Unterlage ist vor dem Hintergrund dieser Anforderungen oftmals zu aufwändig und nicht zielführend.

Eine im Digitaldruckverfahren in Kleinauflage produzierte Unterlage ist hier die richtige Wahl des Mittels. Doch welche Verarbeitungsmöglichkeiten – im Druckjargon als Konfektionierungsarten bezeichnet – stehen zur Verfügung und worin liegen ihre jeweiligen Stärken und Schwächen?

Wir stellen Ihnen nachfolgend die 4 üblichsten Varianten mit Ihren Vor- und Nachteilen vor.


Bildnachweisen & Quellen