DIE ZUKUNFT DER WEITERBILDUNG

WAS IST DIE ZUKUNFT DER WEITERBILDUNG? WIE WERDEN WIR ZUKÜNFTIG LERNEN? UND WAS?

In der Wissenschaft rückte das Thema innerhalb der letzten Jahre verstärkt in den Fokus. In regelmäßigen Abständen werden Studien zu aktuellen und zukünftigen Trends und Formen der Weiterbildung veröffentlicht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wir befinden uns im Zeitalter des ständigen Wandels. Die Digitalisierung eröffnet neue Formen des Arbeitens. Dies erfordert jedoch auch neue Weiterbildungsthemen und -methoden.

Ein Beispiel aktueller wissenschaftlicher Arbeit ist die TNS Studie zu Weiterbildungstrends, die im Juni 2016 erschien. Hierin äußerten Personalentscheider ihre persönlichen Prognosen zu den Folgen der Digitalisierung. Die allgemeinen Auswirkungen der Digitalisierung auf den zukünftigen Arbeitsalltag der Mitarbeiter werden von den Personalverantwortlichen als stark bis äußerst stark eingeschätzt. Ebenfalls wird der Weiterbildungsbedarf künftig stark bis äußerst stark steigen, vermuten die HR-Manager.

ABER WIE FUNKTIONIERT WEITERBILDUNG IM ZEITEN DES DIGITALEN WANDELS?

Um diese Frage zu beantworten setzte sich die Redaktion der Zeitschrift „Wirtschaft + Weiterbildung“ mit 4 Experten der Bildungsbranche zusammen, unter denen sich auch zwei Kunden der arago Consulting befinden. In einer sich sehr schnell wandelnden Arbeitswelt raten sie dazu, die Angebote stärker auf die einzelne Person auszurichten und Arbeitnehmer in ihrem Arbeitsalltag dauerhaft zu begleiten.

In dem Gespräch beleuchten sie sowohl Vor- als auch Nachteile der Digitalisierung. Ein eindeutiger Vorteil besteht demnach darin, dass die Digitalisierung neue Kommunikationsebenen erschafft. So können Social Media Netzwerke als Plattformen fungieren, die fremde Personen mit ähnlichen Problemen zusammenführen. Durch eine genaue Bestimmung Ihres Bedarfs lassen sich leichter Seminare anbieten, die zu ihren individuellen Bedürfnissen passen.

Große Hilfe und große Ablenkung zugleich – Social Media-Apps auf dem Smartphone

Einen Nachteil der Digitalisierung sehen sie in den hohen Anforderungen, die sie mit sich bringt. Unternehmen wünschen sich von Weiterbildungsanbietern Seminare mit vielen Informationen, die in möglichst geringer Zeit vermittelt werden. Diesbezüglich betonen die Gesprächsteilnehmer jedoch, dass Menschen ausreichend Zeit und Raum für Reflexion gegeben werden muss. Nur dadurch erhalten sie Zugang zu ihrem vollen Potenzial. Da Mitarbeiter im Arbeitsalltag einem hohen Lerndruck ausgesetzt sind, setzen sie bewusst auf „Slow Learning“-Konzepte als Gegentrend zur Digitalisierung.


Radio-Interview Alexander Markowetz, Medienwissenschaftler,
Nachzuhören: Hier

Von 2009 bis 2016 war Alexander Markowetz Juniorprofessor für Informatik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Dort erdachte und betreute er das Menthal Projekt, das bis heute das Smartphoneverhalten von 300.000 Nutzern analysiert.

Im November 2016 gab er bei hr-INFO ein Interview. Darin betonte er: Um im Arbeitsalltag produktiv zu sein, ist dauerhafte Aufmerksamkeit ohne ständige Ablenkung nötig. Moderne Technologien – insbesondere das Smartphone – sieht er als zentrale Ablenkung der heutigen Zeit. Die ständige Onlinepräsenz der Geräte führt zur höheren Erreichbarkeit der Menschen über Social Media Plattformen oder Nachrichtendienste. Tritt diese Unproduktivität in Kombination mit einem mangelnden Glücksempfinden auf, spricht er von einem „Digitalen Burnout“, der den Arbeitsalltag der Menschen erheblich beeinflusst. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es einem hohen Maß an Selbstdisziplin, denn den Blick auf das Smartphone rät der Medienwissenschaftler während der Arbeit zu meiden.

VORÜBERLEGUNG IN BEZUG AUF E-LEARNING

Da die Präsenz im Internet dazu verleitet, die eigentliche Arbeit zu unterbrechen, wie kann Lernerfolg durch E-Learning sichergestellt werden, wenn das nächste Katzenvideo nur einen Klick entfernt ist?

E-Learning Methoden sind in der heutigen Zeit schon längst keine Seltenheit mehr. Einige Unternehmen sehen darin Möglichkeiten der Kosten- und Zeiteinsparung für die Fortbildung ihrer Mitarbeiter. Ähnlich der Smartphone-Nutzung fordert aber auch produktives E-Learning eine sehr hohe Selbstdisziplin der Teilnehmer. Möglicherweise werden aus diesem Grund von mehr als zwei Dritteln der Unternehmen klassische Präsenzseminare bevorzugt, wie eine Statista Studie aus dem Jahr 2016 belegt.

Doch wer E-Learning seine künftige Bedeutung abspricht, stimmt sicherlich auch dem Zitat von Kaiser Wilhelm II. zu (1859-1941):

„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“

Die Frage, die sich stellen wird, ist daher: Wie fügt sich ein E-Learning-Ansatz sinnvoll in die bestehende Lernlandschaft ein, ohne den Lernerfolg zu gefährden?


Bildnachweise & Quellen

  • Abbildung: TNS-Infratest/Studiengemeinschaft Darmstadt: Studie »Weiterbildungstrends in Deutschland 2016«
  • Statista 2016