EXKURSIONEN NACH HAMBURG

Es ist nun schon einige Jahre her, da saß ich gelangweilt im Zug von Hannover nach Frankfurt am Main. Um diese Langeweile zu vertreiben, fing ich an, in einer kleinformatigen Zeitung zu blättern. Auf der letzten Seite fiel mir eine Annonce ins Auge »Professoren und Dozenten der Wirtschaftswissenschaft gesucht, Hamburg School of Business Administration«. So forschte ich in meinem Computer und stellte fest, dass diese School of Business Administration eine junge Universität war, die Studenten mit Berufserfahrung im Zuge eines dualen Studiums Abschlüsse in der Wirtschaftswissenschaft ermöglicht.

In Frankfurt angekommen, stellte ich nach einigen Tagen den Kontakt her und lernte so Herrn Prof. Prigge kennen. Dieser äußerte: »Sie kommen mir wie gerufen! Ich bräuchte für meine Studiengänge MBA und MSC noch einen Professor / Dozenten für das Abschlussmodul. Sie haben akademische Erfahrung und waren lange im Berufsleben, das würde gut passen.« So wurden wir uns schnell einig, was darin resultierte, dass ich zweimal im Jahr, meist mit der Eisenbahn, gen Hamburg fahre und mich dort den Studenten präsentiere.

Logo der Hamburg School of Business Administration.

Das Ritual ist im Winter des Jahres immer das Gleiche: Die Vorlesung findet kurz vor Weihnachten statt. Ich reise also am Vortag an. Nachdem ich mich häuslich eingerichtet habe, folgt ein Bummel über den Weihnachtsmarkt an der Binnenalster, oft unterbrochen durch einen Stopp im Alsterpavillon, wo ich meine Augen über die teilweise beleuchtete Alster wandern lasse und Herz und Sinne durch ein Glas Grog erfreue. Danach folgt eine kurze Zeit der Vorbereitung auf den nächsten Tag. Darauf geht es weiter zum Höhepunkt des Tages. Ich pilgere hinauf zum Hamburger Michel, einem der Wahrzeichen der Stadt und besteige den Turm. Von dort hat man einen großartigen Blick über den Hafen. Dieses ist jedoch nicht der Höhepunkt. Der Höhepunkt findet auf der anderen Straßenseite statt, im Old Commercial Room. Dort nehme ich Labskaus, zwei Ratsherrn-Pils und ein kleines Glas Köm zu mir, damit ich auch gut schlafe.

Der nächste Tag ist der Vorlesung gewidmet, die unter der Überschrift »Aktien-Emission« oder neudeutsch »Initial Public Offering« steht. Die Vorlesung zieht sich bis in den späten Nachmittag und endet gewöhnlich mit einem informellen Austausch mit den Studenten. Auf diese Weise habe ich die Gelegenheit, mich immer wieder mit praktischen und finanztheoretischen Konzepten auseinanderzusetzen und kann gleichzeitig mit der von mir geschätzten Hansestadt Hamburg Wiedersehen feiern.

Das Gebäude der Hamburg School of Business Administration am Adolphsplatz in Hamburg