WIE DER DIGITALE WANDEL UNSERE ARBEITSWELT UND DEN BILDUNGSSEKTOR VERÄNDERT

Eine von der Vodafone Stiftung in Auftrag gegebene und im September veröffentlichte Zukunftsstudie des Fraunhofer-Instituts für System und Innovationsforschung ISI untersuchte, wie sich die Arbeitswelt in den kommenden 15 Jahren entwickeln wird.

Das Ergebnis ist sehr aufschlussreich und lesenswert. Sie bietet nicht nur Aus- und Weiterbildungsanbietern wichtige Impulse, sondern auch jedem Erwerbstätigen.

Wir haben Ihnen nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse hier zusammengefasst.


Ziel der Studie:

Zentrale Trends in der Berufswelt von morgen frühzeitig erkennen und dadurch Ansatzpunkte identifizieren, wie Menschen über die Bildungspolitik und -praxis bereits heute auf die Jobs der Zukunft vorbereitet werden können.

Die aktuellen Mega-Trends sind zwischenzeitlich wohlbekannt: Digitalisierung, Globalisierung und demografischer Wandel.  Hinter diesen Entwicklungen stehen zahlreiche Einzeltrends, die wiederum sehr spezifische Auswirkungen auf unsere künftige Arbeitswelt haben.

6 Trendbereiche konnte die Studie als zentrale Treiber für die Zukunft der Arbeit herausarbeiten:

Abbildung: Sechs Trendbereiche als Treiber für die Zukunft der Arbeit

Wie beeinflussen diese Treiber und insbesondere die voranschreitende Digitalisierung unsere künftige Arbeitswelt?

Die gute Nachricht vorneweg: Durch die Automatisierung von Tätigkeiten wurde lange Zeit auf eine Gefährdung von Arbeitsplätzen geschlossen. Dieses Bild hat sich gewandelt. Heutzutage wird davon ausgegangen, dass Automatisierung mit einem Wandel der Tätigkeiten und einer Entstehung neuer Tätigkeitsbereiche einhergehen wird, nicht mit deren Wegfall.


EINSCHUB/GEDANKENANSTOß:

Die frühere Muttergesellschaft der arago Consulting GmbH, die arago GmbH, ist eines der führenden Unternehmen im Bereich der IT-Automatisierung. In der sehr sehenswerten Dokumentation „Robo sapiens – Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch“ (http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=61968) erläutert Hans-Christian Boos, Vorstand der arago GmbH, wie Software-Systeme auch die sogenannte „Kopfarbeit“ revolutionieren und sich Aufgaben verlagern (ab Minute 21).

Branchenbezogenes Fachwissen wird im Gegenzug an Bedeutung verlieren, da Branchengrenzen in digitalen Wertschöpfungsketten weiter verschwimmen.

Für Erwerbstätige werden 2 Bereiche für den persönlichen, beruflichen Erfolg immer wichtiger werden:

Unternehmerisches Denken (oder auch Selbstvermarktung/Selbstmarketing) und  die Fähigkeit zur Selbstorganisation.

Die Trend- und Zukunftsexpertin Frau Birgit Gebhardt wies bereits im Rahmen Ihres Vortrags bei der arago-Kundenakademie am 11. November 2015 darauf hin:

„Angesichts der Wissensdynamik erscheint es illusionär, einem Menschen bis etwa zum 30. Lebensjahr ein Maximum an spezialisiertem Fachwissen einzutreiben, das dann im Job zur Anwendung kommen und den letzten Feinschliff erhalten soll. Vor dem Hintergrund sich ständig weiterbilden zu müssen, ist dies zu kurz gedacht. Der Souveräne Wissensarbeiter wird sein berufliches Wirken nicht mehr in begrenzte Ausbildungs-, Erwerbs- und Pensionsphasen einteilen.“

Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung führt dazu, dass Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung, Kreativität und Freiräume im gesellschaftlichen Wertesystem des Jahres 2030 einen hohen Stellenwert einnehmen werden. Feste Arbeitszeiten und -orte werden unattraktiv.

Durch das Verschwimmen der Branchengrenzen wird Unternehmen die Auslagerung einzelner Arbeitsschritte ermöglicht. Dies hat zur Folge,
dass sich viele Menschen permanent in häufig wechselnden Teams zusammenfinden müssen.

Abbildung Links: Die Herausforderungen der Selbstorganisation und Selbstvermarktung Abbildung Rechts : Die Herausforderung des Verschwimmens von Branchengrenzen

Der Trend zur eigenen Selbstvermessung mittels Gesundheits- un Fitness-Apps ist an unseren Handgelenken und auf unseren Smartphones ablesbar. Dieses Selbstmanagement wird stark zunehmen und sich ausweiten. Immer mehr Menschen werden Daten und Informationen über ihre Leistungen in sozialen Netzwerken teilen, um sich zu profilieren, sich mit anderen zu
messen und sich auch bewerten zu lassen.


AUSWIRKUNGEN FÜR AUS- UND
 WEITERBILDUNGSANBIETER:

Der Bildungsmarkt wird im Jahr 2030 hoch kommerzialisiert und internationalisiert sein. Es bedarf einer starken Selbstorganisation, um die passenden Lernmodule zu finden sowie Kompetenzen zertifizieren zu lassen.

Zertifikate werden künftig als Leistungsnachweise hochrelevant sein und es gilt, diese künftig in die digitale Welt zu transferieren, beispielsweise durch digitale Zertifikate, die mit den Online-Profilen der Arbeitssuchenden verknüpft sind und in Echtzeit aktualisiert werden können.

 

Erwerbstätige werden sich darauf einstellen müssen, dass sich Unternehmen ihre frei verfügbaren Lern- und Leistungsdaten zunutze machen werden, um ihre Mitarbeiter zu bewerten und Prozesse zu optimieren.

Um die Chancengleichheit am Arbeitsmarkt zu sichern, regen die Verfasser der Studie daher an, eine zentrale Kompetenzagentur zu gründen, die passende Formen der Lern- und Leistungsbewertung anbietet, zur Markttransparenz beiträgt und digitale Kompetenzkarten und Zertifikate unterstützt.

Auch wir – die arago Consulting – beschäftigen uns intensiv mit Lösungen im Aus- und Weiterbildungsbereich und werden die weiteren Entwicklungen für Sie verfolgen und mitgestalten.